Justiz

Hoffnung für Tausende T-Aktionäre

Bundesgerichtshof: Milliarden-Fehler beim Börsengang der Deutschen Telekom

Im größten Prozess der deutschen Wirtschaftsgeschichte dürfen 17.000 Telekom-Kleinaktionäre nach einer Grundsatzentscheidung des Bundesgerichtshofs auf Schadenersatz hoffen. Die Karlsruher Richter urteilten am Donnerstag, dass die Telekom in einem Börsenprospekt zur Jahrtausendwende falsche Angaben gemacht habe. Für Freudensprünge bei den Anlegern der einstigen Volksaktie ist es aber zu früh, da der Fall an eine untere Instanz zurückverwiesen wurde. Die T-Aktionäre pochen auf 80 Millionen Euro. Der Mammut-Prozess ist also noch nicht zu Ende, sondern wird neu aufgerollt.

Konkret heben die Karlsruher Richter die Entscheidung des Oberlandesgerichts Frankfurt, das die Klage gegen den Bonner Konzern vor zwei Jahren abgewiesen hatte, in einem zentralen Punkt auf: Die Telekom habe die Anleger in Bezug auf eine konzerninterne Übertragung von Aktien des US-Mobilfunkers Sprint getäuscht. Der Emissionsprospekt zum dritten Börsengang der Telekom im Jahr 2000 sei damit fehlerhaft gewesen. Der BGH verweist die Sache zur erneuten Verhandlung an das OLG Frankfurt zurück. Die Richter dort müssten entscheiden, ob die Telekom Schadenersatz zahlen muss.

Der Konzern bedauerte das Urteil. „Wir sind zuversichtlich, dass die Gerichte im Ergebnis feststellen werden, dass keine Schadenersatzpflicht für das Unternehmen besteht“, sagte ein Telekom-Sprecher. Anwalt Andreas Tilp, der den Kläger vertritt, spricht von einem „rechtshistorischen Etappensieg für die deutschen Anleger“. Die Telekom-Kläger dürften auf Schadensersatz hoffen.

Verhandelt wird in dem Verfahren exemplarisch der Fall eines schwäbischen Pensionärs, der 1,2 Millionen Euro fordert. Er hatte im Jahr 2000 einen Teil seiner Ersparnisse in T-Aktien gesteckt. Zu 66,50 Euro hatte die Telekom damals auf dem Höhepunkt des Technologie- und Börsen-Hypes Aktien verkauft – zwei Jahre später waren die Titel für gerade einmal acht Euro zu haben. Viele Anleger fühlten sich getäuscht – und überzogen den Konzern mit Klagen.

Um der Prozessflut Herr zu werden, hat der Gesetzgeber für solche Fälle eine Art Sammelklage nach US-Vorbild eingeführt. Dabei wird der Fall eines Klägers exemplarisch für alle anderen geklärt. Dieses Kapitalanleger-Musterverfahren muss von zehn Klägern beantragt werden, dann wird der Fall gleich vor dem Oberlandesgericht behandelt. Anders als in den USA müssen die einzelnen Anleger aber auch dann, wenn das Musterverfahren gewonnen wird, zur Bestimmung der Schadenersatzhöhe wieder einzeln die Gerichte bemühen.

Die Klage der T-Aktionäre stützt sich auf den nun vom BGH bestätigten Punkt, dass der Dax-Konzern falsche Angaben in einem Börsenprospekt im Jahr 2000 gemacht habe. Dort wurde die Darstellung eines konzerninternen Verkaufs von Anteilen an Sprint im Jahr 1999, der zu einem Buchgewinn von 8,2 Milliarden Euro geführt habe, von den Karlsruher Richtern als fehlerhaft moniert. „Insoweit ist der Prospekt objektiv falsch.“ Für Anleger sei nicht ersichtlich gewesen, dass die Telekom die Sprint-Aktien nicht – wie im Prospekt dargestellt – verkauft, sondern an eine 100-prozentige Konzerntochter, die NAB Nordamerika Beteiligungs-Holding, übertragen habe. Die NAB werde an keiner Stelle erwähnt. „Selbst ein bilanzkundiger Anleger konnte die tatsächlichen Beteiligungsverhältnisse im Jahr 1999 und die sich daraus ergebenden Risiken nicht ableiten“, erklärten die BGH-Juristen. Das OLG Frankfurt, das den Fall im Mai 2012 verhandelte, habe einen Fehler gemacht.