Personalien

Modellwechsel bei BMW: Konzernchef tritt vorzeitig ab

Abrupter Führungswechsel bei BMW: Überraschend früh übergibt Konzernchef Norbert Reithofer sein Amt an den Produktionschef Harald Krüger.

Der Aufsichtsrat des Konzerns beschloss am Dienstag den Stabwechsel für Mai 2015 – Reithofers Vertrag lief eigentlich bis 2016. Der 49 Jahre alte Krüger ist jüngstes Mitglied im BMW-Vorstand, galt schon länger als Kronprinz. Der 58-jährige Reithofer wechselt in den Aufsichtsrat, wo er den Chefposten übernehmen soll.

Damit stellt BMW seine Führungsmannschaft noch vor dem Jubiläumsjahr 2016 neu auf. Der Konzern zahlt dafür aber einen hohen Preis. Zum einen stieß er Entwicklungsvorstand Herbert Diess vor den Kopf, der auch als möglicher Nachfolger Reithofers galt. Diess wechselt zu Volkswagen und wird die Konzernmarke VW führen.

Zudem dürfte der direkte Wechsel Reithofers in den BMW-Aufsichtsrat auf Kritik stoßen: Laut Corporate Governance Kodex soll eigentlich zwischen Posten im Vorstand und im Aufsichtsrat eine Pause von zwei Jahren liegen – es sei denn, der Wechsel erfolgt auf Wunsch eines Großaktionärs. Bei BMW zieht die Familie Quandt/Klatten die Fäden. Johanna Quandt, ihrem Sohn Stefan und ihrer Tochter Susanne Klatten gehören zusammen 46,7 Prozent an dem Autobauer. Der bisherige Chef-Kontrolleur bei BMW, Joachim Milberg, legt sein Amt den Angaben zufolge mit dem Ende der Hauptversammlung im Mai 2015 vorzeitig nieder. Der Manager, der selbst lange Jahre BMW-Chef war, soll künftig eine führende Rolle im Stiftungswesen des Konzerns erhalten.

Der künftige BMW-Chef Krüger arbeitet seit 1992 bei BMW und stieg 2008 als Personalchef in den Vorstand auf. 2013 wurde er zum Produktionsvorstand bestellt. Er tritt nun in die Fußstapfen Reithofers, der den Konzern und das Image von BMW neu ausrichtete – weg vom Hersteller spritfressender PS-Protze hin zum Anbieter sparsamer Klein- und Kompaktwagen, Familienkutschen oder Elektroflitzern. Reithofer steht seit 2006 an der BMW-Spitze und hat den Konzern zu neuen Bestmarken geführt: Im laufenden Jahr will BMW weltweit erstmals mehr als zwei Millionen Autos verkaufen.