Justiz

Betrugsermittlungen gegen den Ex-Chef der Vatikanbank

Tabula rasa in der Vatikanbank, dem Institut der religiösen Werke (Istituto per le Opere di Religione, IOR).

Das Kreditinstitut des Heiligen Stuhls hat zwei frühere Topmanager und einen Anwalt angezeigt. Der Verdacht: Das Trio soll mit dubiosen Immobiliengeschäften die Bank geschädigt und Millionen in die eigene Tasche abgezweigt haben. Im Visier stehen Ex-Präsident Angelo Caloia und Ex-Generaldirektor Lelio Scaletti. Caloia ist eine große Nummer in der italienischen Finanzwelt. Der Wirtschaftsprofessor leitete das IOR zwei Jahrzehnte lang, von 1989 bis 2009.

Das juristische Vorgehen gegen die ehemalige Führungsspitze des IOR ist ein Teil einer großen Aufräumaktion. Die gesamte Finanzarchitektur des Heiligen Stuhls wird umgebaut. Unter Papst Franziskus zieht Transparenz in das über Jahrzehnte höchst undurchsichtige Geflecht an Gesellschaften der Vatikan AG ein. Ein wichtiges Element bei der Reform ist die Vatikanbank. Ihr wurde eine moderne Führungsstruktur verpasst. Sämtliche Konten wurden durchleuchtet, dubiose Kunden wurden vor die Tür gesetzt.

Beim Hausputz im IOR fielen Caloia und Scaletti auf. Die früheren Topmanager stehen im Verdacht, im Zeitraum von 2001 bis 2008 insgesamt 29 Immobilien des IOR in Rom und Mailand an zweifelhafte Gesellschaften zu tiefen Preisen verkauft zu haben. Bei dem für die Bank unwirtschaftlichen Verkauf sollen Caloia und Scaletti eine hübsche Provision verdient haben. Es wird spekuliert, dass die zwei und der Anwalt bis zu 60 Millionen Euro beiseite geschafft haben sollen.

Angelo Caloia zog erste Konsequenzen aus den Anschuldigungen. Er legte sein Amt als Vorsitzender der Dombauhütte des Mailänder Doms nieder. Er sei „fassungslos“ und „deprimiert“ über die Anschuldigungen und werde seine Unschuld darlegen, so der Beschuldigte.