Arbeitskampf

Alle Jahre wieder: Streiks bei Amazon im Weihnachtsgeschäft

Das Duell der Gewerkschaft Verdi mit dem Branchen-Riesen Amazon – es hat etwas von „Dinner for One“.

An Silvester läuft der bekannte Sketch wieder im Fernsehen. Aber schon jetzt gilt abgewandelt mit Blick auf den Tarifstreit: Die selbe Prozedur wie im letzten Jahr. Wieder läuft das Weihnachtsgeschäft, wieder wird beim weltgrößten Versandhändler gestreikt – und wieder erklärt Amazon: Die Bestellungen werden pünktlich abgearbeitet. Kunden brauchen sich keine Gedanken zu machen.

Genauso so eisig wie das Wetter, ist der Umgang von Amazon und Verdi miteinander. Der Tarifkonflikt ist seit langem festgefahren. Eine Lösung scheint nicht in Sicht, ohne dass eine Partei ihr Gesicht verliert und ein Scheitern eingestehen muss. Verdi fordert Amazon zu Tarifgesprächen zu den Bedingungen des Einzelhandels auf. Amazon sieht sich als Logistikunternehmen und verweigert Zugeständnisse. Deswegen kommt es seit Mai 2013 immer wieder zu Streiks; am Montag am größten deutschen Standort in Bad Hersfeld sowie in Leipzig.

Waren es vor einem Jahr drei Streikstandorte, sind es jetzt sechs. „Wir werden keine Ruhe geben, solange wir keinen Tarifvertrag haben“, sagt Eva Völpel von Verdi in Berlin. Dabei könnten die Rückmeldungen von Amazon demoralisierend auf die Streikenden wirken. Immer wieder beteuert der Konzern, dass die Mehrheit der Beschäftigten sich nicht am Streik beteilige.

Amazon verweist zunehmend auf sein großes Logistik-Netzwerk in Europa. Es ist auf 28 Standorte angewachsen, neue Versandlager sind etwa in Polen entstanden. Und deswegen könne Amazon die Streiks kompensieren, erklärt eine Sprecherin. Auch Robert Gottfried Marhan, der Standortleiter des größten Versandzentrums in Bad Hersfeld, sagt: „Streiks sind ein Szenario, auf das wir vorbereitet sind.“