Umwandlung

Friede Springer öffnet Verlag für Investoren

Medienkonzern ändert seine Rechtsform, um mehr Kraft für Zukäufe zu haben

Revolution beim Berliner Medienkonzern Axel Springer („Bild“, „Welt“): Die Familie Springer trennt sich mittelfristig von ihrer Aktienmehrheit. Damit vor allem die Witwe des Konzerngründers, Friede Springer, aber die Kontrolle über den Konzern behalten kann, soll der Verlag eine neue Rechtsform bekommen. Der Berliner Konzern will sich so eine bessere Position für Zukäufe verschaffen. „Wir sichern dauerhaft die Familienmehrheit und öffnen das Unternehmen dennoch für externes Kapital, das wir über die Börse aufnehmen können“, sagte Konzern-Chef Mathias Döpfner. Damit könne Springer größere Zukäufe stemmen. Döpfner ließ keinen Zweifel daran, dass er auch international an Zukäufen Interesse hat. Konkrete Ziele nannte er nicht.

Bisher kann Axel Springer, eine Aktiengesellschaft nach europäischem Recht, bei Zukäufen nur Bargeld bieten und muss sich größere Summen über Kredite beschaffen. Theoretisch könnte der Konzern eine Kapitalerhöhung beschließen und mit neuen Aktien bezahlen – aber dann verlöre die Familie die Kontrolle. Größter Aktionär mit 51,5 Prozent ist die Axel Springer Gesellschaft für Publizistik, die von Friede Springer und zwei Enkeln des Verlagsgründers Axel Springer kontrolliert wird. Friede Springer hält weitere fünf Prozent direkt, Döpfner drei Prozent.

Künftig will der Konzern als Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) auftreten. In dieser Rechtsform hat der sogenannte Komplementär alle Stimmrechte, unabhängig davon, wie groß sein Aktienanteil tatsächlich ist. Axel Springer wäre frei, in großem Umfang auch mit eigenen Aktien zu bezahlen. Die Hauptversammlung muss der Umwandlung noch zustimmen.

Ausgelöst wurde der Wandel vom Geschäft mit digitalen Rubrikenmärkten wie Immobilienportalen und Jobbörsen. 2012 hatte Axel Springer diese Beteiligungen in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem US-Investor General Atlantic eingebracht. Die Amerikaner hielten 30 Prozent an Axel Springer Digital Classifieds, wie das Unternehmen heißt. Für 2015 war ein Börsengang vorgesehen, Axel Springer wollte aber die volle Kontrolle über das stark wachsende und hochprofitable Unternehmen erhalten. Digital Classifieds umfasst zehn Firmen, darunter die Jobbörse Stepstone und das französische Immobilienportal SeLoger sowie das Regionalportal Meinestadt.de. Digital Classifieds setzte in den ersten neun Monaten 2014 rund 357,1 (Vorjahreszeitraum 296,4) Millionen Euro um, der Gewinn vor Abschreibungen, Steuern und Zinsen betrug 160,2 (119,1) Millionen Euro. Das entspricht rund 16 Prozent des Axel-Springer-Umsatzes und rund 44 Prozent des Gewinns.

In einem ersten Schritt kaufte Axel Springer jetzt 15 Prozent der Digital-Classifieds-Anteile von General Atlantic für 446 Millionen Euro. Die anderen 15 Prozent will der Konzern im dritten Quartal 2015 mit eigenen Aktien bezahlen. General Atlantic hielte dann 8,6 Prozent der Anteile an Axel Springer. Kommt es nicht zur Umwandlung, zahlt Axel Springer weitere 446 Millionen Euro plus Zinsen in bar. Das bewertet Digital Classifieds mit rund drei Milliarden Euro. Axel Springer insgesamt ist an der Börse 4,71 Milliarden Euro wert.

Investieren will Axel Springer nach den Worten von Konzernchef Döpfner unter anderem in digitale Verlage, bestehende starke Print-Marken, denen der Konzern ein hohes Potenzial bei der Digitalisierung zutraut und die Gründung und den Ausbau eigenständiger digitaler Angebote.