Technik

Wisch und weg

Flow soll die Computermaus der Zukunft werden – berührungsfrei

Bisher hat das Internet viel mit Berührung zu tun: Man tippt Buchstaben mit der Tastatur in einen Computer, klickt mit der Maus die Schaltflächen einer Webseite oder berührt mit dem Finger den Touchscreen eines Tablets. All diese Geräte muss der Nutzer anfassen. Für Tobias Eichenwald ist das eine schmerzhafte Unterbrechung des Lebensflusses. Das will er ändern. Deshalb haben er und seine drei Mitgründer Flow erfunden, was übersetzt so viel wie fließen bedeutet oder sich bewegen.

Man könnte Flow als eine Art Computermaus der nächsten Generation bezeichnen. Es ist ein neuartiger drahtloser Controller, der Programme von Internetgeräten jeder Art steuert – Smartphones, Tablets oder PCs. Das Flow hat die Form und Größe einer kleinen runden Handcreme-Dose – einen Durchmesser von sieben Zentimetern und einer Höhe von eineinhalb. Die kreisrunde Oberseite besteht aus einem berührungsempfindlichen Sensor in der Art eines Smartphone-Bildschirms. Der metallene Ring an der Seite des Controllers funktioniert wie ein hochempfindlicher Drehschalter. Bislang gibt es von dem Gerät nur Prototypen.

Die Gründer haben eine Vision: Sie wollen die physische und die digitale Welt intuitiv und barrierefrei miteinander verbinden. So genügt schon eine Geste in der Nähe des Flow, um eine digitale Anwendung zu steuern.

Auf diese Weise können Nutzer von Musiksoftware mit einem Handstreich zwischen Tracks und Alben wechseln. Vortragende blättern in ihren Powerpoint-Präsentationen, ohne eine Fernsteuerung in der Hand zu halten. Und wer eine webgesteuerte Raumbeleuchtung wie etwa Hue von Philips besitzt, kann Lampen mit einer Handbewegung an- und ausschalten. Für präzisere Anwendungen etwa in Design- oder Bildbearbeitungsprogrammen muss man das Flow jedoch in die Hand nehmen, die Oberfläche berühren oder den Metallrand drehen.

Schon 30 Programme steuerbar

Videos auf der Website der Gründer zeigen, dass sich Programme mit Flow präziser und ergonomischer steuern lassen, als das bisher mit Maus und Tastatur möglich war. Mehr als 30 Programme oder Anwendungen sind bereits mit dem Flow steuerbar – darunter Adobe Photoshop, Illustrator und das Videobearbeitungsprogramm Premiere. Entwickler können diese Liste problemlos erweitern, denn Flow bietet eine offene Programmschnittstelle an.

Das Flow ist das Ergebnis einer mehr als 140.000 Experimente langen Reise, wie Tobias Eichenwald sagt. Dennoch gibt es bislang erst Prototypen. „Die Entwicklung von Hardware dauert“, sagt Eichenwald. Die Gründer sammeln jetzt im Netz Geld, um aus ihrer Vision ein Serienprodukt werden zu lassen, das Mitte des Jahres 2015 auf den Markt kommen soll. Vorausgesetzt, sie finden ausreichend Kapital. Doch das sieht zunächst ganz gut aus: Sie haben auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo eine Kampagne gestartet, die innerhalb einiger Tage bereits mehr als 100.000 Dollar (umgerechnet 80.000 Euro) einbrachte. Interessenten können dort noch bis Anfang Januar 2015 spenden oder Kaufoptionen erwerben.

Die Chargen des Flow mit den höchsten Rabatten sind bereits vergriffen. Anfang Dezember 2014 wurde das Flow für 99 Dollar (80 Euro) angeboten – 35 Prozent unter dem später geplanten Listenpreis. Eichenwald will nicht nur die digitale Welt mit neuen Produkten bereichern, er hat auch das Ziel, die Berliner Start-up-Szene zu unterstützen. Gerade für Hardware-Start-ups sieht er in der Stadt eine Erfolg versprechende Zukunft. „Zur Zeit gibt es eine kleine Hardware-Szene, doch jeder macht noch sein eigenes Ding“, sagt Eichenwald. Er will die Gründer vernetzen und ihre Arbeitsbedingungen verbessern.

Produktion in Deutschland

So kann er sich vorstellen, einen Schiffscontainer mit geringem Aufwand zu einer Werkstatt umzubauen. „Jedes Hardware-Startup braucht einen 3D-Drucker, eine Fräse und eine Lötstation“, sagt er. Das könnte in dem Container untergebracht werden.

Flow ist für Tobias Eichenwald erst der Anfang. Er und seine Gründerkollegen arbeiten bereits an Nachfolgeprodukten: intelligenten Oberflächen von Alltagsgegenständen zum Beispiel, mit denen die physische und die digitale Welt verbunden werden können.

Flow ist ein Produkt „Made in Germany“. Es wäre nicht billiger, in China zu produzieren, sagt der Gründer. Die Koordination mit Zulieferern in Deutschland sei wegen der kurzen Wege viel einfacher und schneller. Zudem will er ein Zeichen setzen.