Wirtschaft

Konjunktur lässt sich nicht unterkriegen

Industrieaufträge wachsen viel stärker als erwartet. Zunahme der Autoverkäufe

Es war ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk, das das Bundeswirtschaftsministerium am Freitag präsentierte: Demnach hat die deutsche Industrie im Oktober überraschend viele Aufträge an Land gezogen. Die Bestellungen stiegen um 2,5 Prozent im Vergleich zum Vormonat an und fielen damit fünfmal so hoch aus, wie von Ökonomen erwartet. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, könnte die gefürchtete Konjunkturdelle in Deutschland schon wieder überwunden sein, noch bevor sie größeren Schaden anrichten konnte.

Auffällig ist jedenfalls, dass sich die positiven Konjunktursignale derzeit mehren. So war der Ifo-Index, das wichtigste Barometer für die Unternehmensstimmung in Deutschland, zuletzt wieder gestiegen. Und auch bei Börsianern und Verbrauchern hellte sich die Stimmung – ablesbar am ZEW-Index und GfK-Barometer – zuletzt merklich auf. „Es wirkt fast so, als hätten sich die Unternehmen an die Dauerunsicherheit durch die geopolitischen Spannungen in Russland und der Ukraine gewöhnt und ließen sich dadurch nicht mehr so beeindrucken“, kommentierte Andreas Rees, Chefökonom Deutschland von UnicCedit, die auffällig positiven Industriedaten. „Für eine Trendwende ist es zwar noch zu früh, aber es sieht vielversprechend aus.“ Spätestens im ersten Quartal des kommenden Jahres dürfte Deutschland wohl eine Wachstumsbeschleunigung sehen, so Rees.

Bereits im September hatten die Bestellungen in der deutschen Industrie um 1,1 Pozent zugelegt. Zwar sieht das Wirtschaftsministerium nach dem zweiten Anstieg in Folge noch keine klare Trendwende. „Der Start in das Jahresschlussquartal fiel allerdings positiv aus“, hieß es auch dort. Spitzenreiter bei den Neuaufträgen war der Autosektor: Gegenüber dem Vormonat zogen die Aufträge aus dem Inland um 16,7 Prozent an. Die Autohersteller verzeichneten damit bei den Neubestellungen den größten Anstieg seit immerhin fünf Jahren. Sowohl bei Privathaushalten als auch in den Unternehmen ist die Nachfrage nach neuen Wagen offenbar kräftig gewachsen. Ablesen lässt sich das auch an der Zahl der Pkw-Neuzulassungen, die zuletzt spürbar anzog.

Die Nachfrage nach Maschinen und Chemikalien, den beiden anderen großen Exportindustrien in Deutschland, stieg im gleichen Zeitraum ebenfalls weiter an. „Auch wenn weiterhin konjunkturelle Risiken bestehen, spricht dies dafür, dass die deutsche Wirtschaft damit beginnt, ihre Schwächephase allmählich zu überwinden“, kommentierte das Bundeswirtschaftsministerium die jüngsten Industriedaten.

Auch die Bundesbank traut der deutschen Wirtschaft weiterhin ein solides Wachstum zu. Zwar senkten die Ökonomen in Frankfurt in ihrer Halbjahresprognose den Ausblick für das laufende Jahr von 1,9 auf nur noch 1,4 Prozent und schraubten auch die Konjunkturerwartungen für die beiden kommenden Jahre zum Teil deutlich zurück. Für 2015 etwa sank der Ausblick von zuvor zwei Prozent auf nur noch ein Prozent Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Dennoch zeigte sich Bundesbankpräsident Jens Weidmann unter dem Strich optimistisch. Es bestehe die begründete Hoffnung, dass sich die aktuelle Schwächephase nur als vorübergehend erweisen werde, kommentierte er die Halbjahresprognose seiner Institution. Der Bundesbankchef begründete seine zuversichtliche Einschätzung vor allem mit der insgesamt immer noch bemerkenswert guten Verfassung der deutschen Wirtschaft.