Personalpolitik

Weniger Pakete am Nikolaustag: Gewerkschaft ärgert Post-Vorstand

Bei der Deutschen Post wird der Ton zwischen dem Vorstand und der Gewerkschaft Verdi schärfer.

Die Zahl der von Verdi heftig kritisierten befristeten Beschäftigungsverhältnisse werde sich nur senken lassen, wenn bei Neueinstellungen eine „marktgerechte Bezahlung“ durchgesetzt werde, erklärte der für das Brief- und Paketgeschäft zuständige Vorstand, Jürgen Gerdes, am Donnerstag. Die Post zahle deutlich mehr als ihre Wettbewerber.

Der Aufruf der Gewerkschaft zu Betriebsversammlungen unmittelbar vor dem wichtigen Geschäft am Nikolaustag schade dem Unternehmen, unterstrich er. Im kommenden Jahr stehen Gespräche unter anderem über einen neuen Tarifvertrag an. Die Gewerkschaft wirft dem Konzern derzeit vor, die Zahl der nur befristet beschäftigten Mitarbeiter systematisch zu erhöhen. Betriebsversammlungen zu diesem Thema könnten dafür sorgen, dass Paketzustellungen durch die Post sich am Nikolaustag verzögern. In 31 der bundesweit 33 Paketzentren sollen am Freitag zwischen 18 und 21 Uhr Betriebsversammlungen abgehalten werden. Die dreistündigen Treffen könnten zu einem „Stau in der Paket-Logistik“ und damit zu Beeinträchtigungen der Paketauslieferung am Samstag, dem Nikolaustag, führen.

Kritik an Arbeitsverhältnissen

Die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Andrea Kocsis hatte zuvor die Personalpolitik der Deutschen Post scharf kritisiert. Der Beschäftigungsaufbau erfolge im wachsenden Paketgeschäft „praktisch ausschließlich über befristete und damit prekäre Arbeitsverhältnisse“, so Kocsis. „Die Zukunftsfähigkeit der Post in Deutschland steht auf dem Spiel“, so Post-Konzernvorstand Jürgen Gerdes. Derzeit seien rund 24.000 Menschen befristet beschäftigt, das entspreche einem Anteil von 18 Prozent bei 131.000 Beschäftigten im Brief- und Paketbereich.

Die Post wies dagegen die Bezeichnung „prekär“ vor dem Hintergrund gleicher Löhne für befristete und unbefristete Mitarbeiter zurück. Nur 14.700 Mitarbeiter seien befristet beschäftigt – mit Zustimmung der jeweiligen Betriebsräte. Dies seien bei einer Mitarbeiterzahl im Unternehmensbereich von 180.000 Menschen weniger als zehn Prozent – deutlich weniger als von Verdi behauptet. Wenn sich dauerhaft ein höherer Bedarf abzeichne, fänden darüber hinaus regelmäßig Entfristungen statt. Zudem beschäftige der Konzern rund 9000 saisonale Aushilfskräfte: „Diese Mitarbeiter arbeiten bewusst und freiwillig befristet, etwa als studentische Aushilfskraft“, sagte Gerdes.

Auf den Konzern könnten 2015 heftige Auseinandersetzungen mit der Gewerkschaft zukommen. Im nächsten Jahr stehen Tarifverhandlungen für 131.000 Beschäftigte in Deutschland an. Zudem läuft der zuletzt 2011 bis Ende 2015 verlängerte Beschäftigungspakt aus, der betriebsbedingte Kündigungen verhindert. Ein Vertrag, der die Vergabe von weiteren Paketzustellbereichen an Dienstleister verbietet, endet dann ebenfalls. Der Post-Vorstand hatte immer wieder zu schnell steigende Kosten beklagt. Kocsis sieht dagegen Raum für eine Lohnerhöhung.