Verbraucher

Stiftung Warentest setzt auf das Internet

Berliner Institut will kostenpflichtiges Angebot im Netz umfassend erweitern

Die Stiftung Warentest will ihr Online-Angebot kräftig ausbauen. Alleinvorstand Hubertus Primus sagte am Donnerstag in Berlin, jeder Verbraucher solle die Tests zu jeder Zeit abrufen können: am Computer, auf dem Tablet-Rechner, auf dem Smartphone. Zudem kann er sich vorstellen, nicht nur Testergebnisse zu veröffentlichen, sondern zum Beispiel auch Beratung und Empfehlungen zu Kauf und Verkauf etwa bei Geldanlagen zugeben. Letzteres sei allerdings noch reine Zukunftsmusik. Konkreter wurde Primus nicht.

Die Stiftung Warentest ist mit ihren Tests seit 1997 auch im Internet vertreten, seit 2000 ist das Angebot kostenpflichtig. Primus bezeichnete sein Institut als Pionier des sogenannten Paid Content, also das Bezahlen für Angebote im Netz. „An unserer Seite war damals nur noch der Playboy“, sagte der Alleinvorstand.

Die Zugriffszahlen steigen seit Jahren. 2013 hatte test.de rund 63,5 Millionen Besucher. Mit dem Online-Angebot setzte die Stiftung 3,4 Millionen Euro um, insgesamt waren es 40,5 Millionen Euro. Das meiste Geld erwirtschaften immer noch die beiden Zeitschriften „Test“ (22 Millionen Euro) und „Finanztest“ (11,3 Millionen Euro). Doch die Auflagen der klassischen Produkte sinken und damit die Erlöse. Das könne das Online-Angebot fast auffangen, sagte Primus.

Ausgebaut werden sollen die Produktdatenbanken, große Übersichten zu bestimmten Produkten, zum Beispiel Spiegelreflex-Kameras, mit Informationen und den Testergebnissen. Die Datenbanken sind interaktiv, der Nutzer kann sich zum Beispiel zum Vergleichen einzelne Produkte nebeneinander anzeigen lassen. 26 solcher Sammlungen gibt es bisher auf test.de. Gefragteste Produktdatenbank ist derzeit mit Abstand die über Matratzen, wie Primus sagte. Auch Informationen über die klassische weiße Ware wie Waschmaschinen und Trockner liefen gut, ebenso die Datenbank zu Zahnpasta.

Ausbau des Bezahlmodells

Bisher können Verbraucher einzelne Tests online kaufen und dann abrufen oder ein kostenpflichtiges Online-Abo abschließen, das Zugriff für einen Monat oder ein Jahr auf das komplette Internetangebot der Stiftung gewährt. Hier soll es noch zusätzliche Angebote geben, wie Primus sagte. Auch das Bezahlmodell will er ausweiten. Bisher laufen die meisten Einzelabrufe über Paypal, den Bezahldienst des US-Onlineauktionshauses Ebay.

Die Stiftung Warentest wurde am 4. Dezember 1964 gegründet. Das erste „Test“-Heft erschien 1966. Seither hat die Stiftung insgesamt rund 100.000 Produkte in fast 5500 Tests untersucht. Die acht Tests eines Hefts kosten nach Angaben von Alleinvorstand Primus im Schnitt 400.000 Euro, enthalten sind die Kosten für die Prüfung und die Anschaffungspreise. Die Stiftung mit Sitz in Berlin finanziert sich zu 85 Prozent aus eigenen Einnahmen, rund 15 Prozent schießt der Staat zu. Beide Hefte und das Online-Angebot der Stiftung sind werbefrei, um die Unabhängigkeit zu garantieren.

Getestet werden nicht nur Sicherheit und Funktion eines Produkts, sondern auch Handhabung und Umweltschutz. Seit zehn Jahren untersuchen die Tester auch soziale und ökologische Kriterien. „Dazu fahren wir zu Kaffeebauern in Bolivien oder Näherinnen nach Bangladesch“, sagte Primus. Wegen der Kosten sind solche Tests nur zwei -bis dreimal im Jahr möglich.