Warentest

„Das Angebot ist reichlich chaotisch und unübersichtlich“

Orangensaft, Bügeleisen, Sonnenschutzcremes – alles Klassiker, die die Tester bei der Stiftung Warentest in den vergangenen 50 Jahren immer wieder untersucht haben.

Benzin-Tests wie in den Sechzigerjahren („Schneller durch Super?“) oder ein intensiver Blick auf das Innenleben von Modelleisenbahnen wie in den Siebzigern sind schon nicht mehr so häufig. Und dann sind da noch einige Tests, die heute geradezu bizarr anmuten. Eine Auswahl:

Popkonzerte Für die Oktober-Ausgabe 1980 schwärmten 100 Tester aus, um insgesamt 310 Popkonzerte zu besuchen und zu bewerten. In das Urteil flossen unter anderem Preise, Hallenausstattung, Einlasskontrollen und -zeiten ein. Es waren offenbar wilde Zeiten: Auch die ärztliche Versorgung wurde untersucht. Das wesentliche eines Konzertes bewerteten die Inspektoren allerdings nicht: die künstlerische Qualität der Darbietung.

Comics Im Juni 1990 ist es soweit: die Tester haben sich Comics vorgenommen, um endlich einmal gründlich zu untersuchen, ob sie Kindern schaden. Einen wissenschaftlichen Beweis dafür finden sie nicht. Allerdings warnen die Tester: Das Angebot sei leider reichlich chaotisch und unübersichtlich. Und sie empfehlen den Eltern, zu Hause in Ruhe Exemplare zu studieren, bevor sie den Kindern welche kaufen.

Bügelaufsatz für Föhn Eine extrem praktische Erfindung für die Reise hat die Firma Braun 1984 auf den Markt gebracht: ein Bügeleisen-Aufsatz, der auf den Föhn gesteckt wird. Der Test-Redakteur ist begeistert und sieht eine sinnvolle Ergänzung, die Käufer offenbar nicht.

Handstrickapparate 1974 versuchen offenbar Vertreter, sogenannte Handstrickapparate an der Haustür loszuschlagen. Die Geräte sollen angeblich arbeiten wie große Maschinen und dem Haushalt einen lukrativen Nebenverdienst ermöglichen. Die Tester stellen fest, dass nur Menschen mit guten Nerven und viel Geduld ein solches Gerät bedienen können. Tolle Nebenverdienste? Fehlanzeige.

Telefonkabelaufroller 1977 sehen sich die Tester einem innovativen neuen Produkt gegenüber: Telsa, das übermäßig lange Telefonkabel in einer weißen Dose aufrollt und so Stolperfallen im Haushalt verhindert. Leider gibt das Gerät das Kabel nicht mehr recht frei, als es aufgerollt ist. Das Fernmeldetechnische Zentralamt der damals noch staatlichen Bundespost verbietet den Verkauf ohnehin – keine Genehmigung nach der geltenden Fernmeldeordnung.