Börse

Die Geldflut treibt die Kurse

Dax klettert über die 10.000-Punkte-Marke. Viele Anleger sind derzeit in Kauflaune

Der Ausflug über die 10.000-Punkte-Marke war zwar nur von kurzer Dauer – der Dax kletterte am Dienstag in der Spitze um 0,7 Prozent auf 10.038,21 Zähler, um dann wieder unter die Marke zu fallen –, aber es war der höchste Stand seit fünfeinhalb Monaten. Händler zeigten sich optimistisch: „Der Dax will nach oben. Neue Bestmarken sind nur noch eine Frage der Zeit“, sagte ein Börsianer. Konjunktursorgen, die den Leitindex im Oktober unter 8400 Punkte gedrückt haben, scheinen wie weggeblasen. Was ist der Grund dafür?

Warum ist die Sorge vor einem kräftigen Konjunkturknick gewichen?

Die positiven Signale nehmen wieder zu. So hat sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft im November überraschend aufgehellt. Die Exportwirtschaft profitiert Experten zufolge auch von der Abwertung des Euro im Vergleich zum US-Dollar. Produkte aus der Euro-Zone werden dadurch in anderen Regionen der Welt günstiger. Das kann den Absatz ankurbeln. Für den wichtigen Absatzmarkt USA sind die Vorzeichen besonders positiv: So erwartet die Deutsche Bank für die größte Volkswirtschaft der Welt im kommenden Jahr ein kräftiges Wirtschaftswachstum von 3,5 Prozent.

Welche Rolle spielt das billige Geld der Notenbanken?

Nach wie vor eine sehr große – die Geldflut gilt als einer der stärksten Kurstreiber der vergangenen Jahre. Nachdem die US-Notenbank Fed ihre Anleihenkäufe eingestellt hat und die Anleger auf die erste Leitzinserhöhung seit der Weltfinanzkrise vorbereitet, rückt die Europäische Zentralbank (EZB) stärker in den Fokus. Erst jüngst bekräftigte EZB-Präsident Mario Draghi die Bereitschaft der Notenbank, den Kampf gegen Niedriginflation und Wachstumsschwäche auszuweiten. Vizepräsident Vítor Constâncio stellte Staatsanleihenkäufe für 2015 in Aussicht. Aktuell versucht die EZB noch, die Banken über den Kauf von Pfandbriefen und Kreditpaketen zu entlasten, um die lahmende Kreditvergabe anzukurbeln. Alle Augen sind daher auf Donnerstag gerichtet, wenn der Rat der Notenbank unter Führung von EZB-Präsident Mario Draghi das letzte Mal in diesem Jahr zu seiner monatlichen Sitzung zusammenkommt.

Welchen Einfluss hat die Jahresendrallye?

Häufig bewegen sich die Kurse gegen Jahresende besonders schwungvoll nach oben – die sogenannte Jahresendrallye. Experten sind nach der rasanten Kurserholung um mehr als 20 Prozent seit Mitte Oktober aber zumindest kurzfristig vorsichtig. „Der Schwung ist raus aus der jüngsten Aufwärtswelle“, schreibt Franz-Georg Wenner vom Börsenstatistik-Magazin Index-Radar in einem aktuellen Marktkommentar.

Wie geht es 2015 weiter?

Bei dieser Frage gehen die Meinungen weit auseinander. Besonders optimistisch ist die Deutsche Bank mit ihrem Jahresendziel von 11.500 Punkten für den deutschen Leitindex. Die Landesbank Helaba und die DZ Bank sehen das Potenzial hingegen als weitgehend ausgereizt an. Zwar bleibe das Umfeld für Aktien angesichts der EZB-Politik und nur niedrig verzinster Alternativen positiv, schrieb Analyst Christian Kahler von der DZ Bank in einer Studie. Dies sei aber weitgehend in die Kurse eingepreist ebenso das solide Gewinnwachstum der Dax-Konzerne. Egal wer Recht behält, in einem sind sich die Experten der drei Banken einig: Die Anleger müssen sich auch 2015 auf deutliche Kursschwankungen einstellen.