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Kernspaltung beim größten deutschen Stromversorger Eon

Der größte deutsche Versorger Eon ist mit seinen Plänen für einen radikalen Konzernumbau auf breite Zustimmung gestoßen.

Politik, Analysten, Anleger und auch die Gewerkschaften begrüßten am Montag den Schritt, wonach sich der Stromriese unter dem Druck der Energiewende von seinen Atom- und Kohlekraftwerken verabschiedet und ganz auf Ökostrom setzt. „In keine andere Art der Stromerzeugung fließen so viele Investitionsmittel wie in die Erneuerbaren – ein Trend, der nicht abebben, sondern sich sogar noch verstärken wird“, sagte Vorstandschef Johannes Teyssen. Der Versorger soll in zwei börsennotierte Gesellschaften aufgespalten werden. Eon-Aktien gewannen zeitweise mehr als sechs Prozent.

Teyssen plant, den Kohle-, Gas-und Atom-Konzern 2016 von Eon abzuspalten und an die Börse zu bringen. Die Mehrheit der Aktien werde den Eon-Aktionären dann ins Depot gebucht. Die restlichen Anteilsscheine will Eon danach in kleineren Schritten über die Börse verkaufen. Mit dem Spin-Off folgt Eon dem Beispiel von Bayer mit Lanxess oder Siemens mit der Lichttochter Osram. Das neue Unternehmen soll 20.000 Mitarbeiter beschäftigen.

Mit der Abspaltung der Atom-, Kohle- und Gaskraftwerke reagiert Teyssen auf den Sturz bei den Strom-Großhandelspreisen. Diese sind wegen der Überkapazitäten an Kraftwerken und dem Ausbau des Ökostroms allein seit Anfang 2013 um mehr als ein Viertel gefallen.

Das neue Unternehmen soll die Rückstellungen für den Abriss der Kernkraftwerke und für den Atommüll übernehmen. Teyssen bezifferte die Rückstellungen auf 14,5 Milliarden Euro. Diese seien gesichert. Der Plan könnte die Idee einer Atomstiftung erneut entfachen, in der die AKW-Betreiber Eon, RWE, EnBW und Vattenfall ihre Risiken auslagern.

Der bei Eon bleibende Teil mit 40.000 Mitarbeitern soll aus der Erzeugung von Ökostrom sowie dem Betrieb der Strom- und Gasnetze und dem Vertriebsgeschäft bestehen. Er repräsentiere eine „saubere, nachhaltige, komplexe und dynamische“ neue Energie-Welt, so Teyssen.

Der in Berlin aktive, schwedische Energiekonzern Vattenfall hat den geplanten Konzernumbau des Konkurrenten „sehr interessiert zur Kenntnis genommen“. Vattenfall befinde sich selbst in einer Phase der Veränderung, sagte ein Sprecher der deutschen Vattenfall-Tochter in Berlin. „In den letzten drei, vier Jahren wurden alle Investitionsentscheidungen zugunsten der erneuerbaren Energien getroffen.“ Vattenfall erwägt den Verkauf seiner Braunkohlesparte in der Lausitz, wie Ende Oktober mitgeteilt wurde. Derzeit werde die gesamte Konzern-Strategie noch einmal geprüft. Über das Ergebnis wolle das Unternehmen im ersten Quartal 2015 informieren.