Unternehmen

Hitfox-Gruppe steigt ins Bankgeschäft ein

Der Berliner Gründer Jan Beckers baut eine Startup-Fabrik für Finanzdienstleister auf

Jan Beckers Hitfox Group steigt massiv in das Geschäft mit Finanzdienstleistungen ein. Die Berliner Unternehmensgruppe, die mit der weltweiten Vermarktung von mobilen Online-Spielen groß geworden ist, startet eine Startup-Fabrik für Finanzdienstleister in Berlin und San Francisco. Unter dem Dach von FinLeap, so der Name des Inkubators, sollen jedes Jahr vier bis sechs Unternehmen gegründet werden, die entweder als Dienstleister für Banken oder in Konkurrenz zu den bestehenden Kreditinstituten auftreten. Geplant ist, die Unternehmen jeweils mit einer Anschubfinanzierung zwischen 500.000 Euro und fünf Millionen Euro auszustatten. Mindestens zwei Unternehmen stehen offenbar kurz vor dem Start.

Finanzdienstleistungen gelten als der neue Trend in der Internetwirtschaft. Nach dem Handel und den Medien wird die Finanzbranche von der Digitalisierung voll erfasst – mit gravierenden Folgen für die traditionellen Geldhäuser. Die Beratungsfirma Accenture schätzt, dass Banken bis 2020 weltweit mehr als 30 Prozent ihrer Erträge an neue Wettbewerber verlieren könnten.

Denn was in den 90er-Jahren mit den ersten Onlinebanken begann, hat längst alle Bereiche des Geldgeschäfts erreicht: von der Zahlungsabwicklung im Netz, wie sie etwa die Ebay-Tochter Paypal anbietet, über mobile Kassensysteme, an denen zum Beispiel das Berliner Start-up Orderbird arbeitet, oder mobile Kreditkartendienstleister wie die ebenfalls aus Berlin stammenden Start-ups Payleven und SumUp bis hin zu Firmen, die die Kreditwürdigkeit von Kunden analysieren (Kreditech). Zudem hat sich Oliver Samwers Berliner Start-up-Fabrik Rocket Internet mit Lendico und Zencap in das Geschäft mit der Kreditvermittlung für Privatkunden und Mittelständler gewagt. Viele der neuen Anbieter versuchen, sich zwischen Kunden und Bank zu schieben, beobachtet Ben Robinson, der Chefstratege der Bankensoftwarefirma Temenos. Für die Geldhäuser sei das brandgefährlich.

„Der Markt für Finanzdienstleistungen bietet durch seine Größe, die Wachstumsmöglichkeiten und die alten Strukturen unzählige Möglichkeiten, an denen man bestehende Produkte und Services deutlich verbessern kann“, sagt Hitfox-Gründer Beckers: „Deshalb war es für uns ein logischer Schritt, unser Modell auf diesen Markt zu übertragen.“

Beckers hat Hitfox 2011 gegründet. Als Werbedienstleister und Vermarkter vor allem mobiler Computerspiele groß geworden, ist die Gruppe zuletzt in das Geschäft mit Big-Data-Dienstleistungen vorgestoßen. Zur Hitfox-Gruppe gehören mittlerweile zehn Unternehmen mit mehr als 300 Beschäftigten in Berlin, San Francisco und Seoul. Damit hat sich die Mitarbeiterzahl allein in diesem Jahr verdoppelt. Im vergangenen Jahr machte das Unternehmen bei einem Umsatz von mehr als 50 Millionen Euro knapp 15 Millionen Euro Gewinn.

Bislang hat Beckers immer dann ein Unternehmen neu gegründet, wenn sich Erfahrungen aus den bestehenden Start-ups auch auf andere Branchen oder Geschäftsfelder übertragen ließen. Entsprechend dürften sich die ersten Ausgründungen aus dem FinLeap-Brutkasten mit Kundenakquise für Finanz- und Anlageprodukte beschäftigen. „Wir entwickeln komplett eigene Ansätze oder arbeiten weltweit mit Partnern wie Banken und Finanzdienstleistern zusammen“, sagt Jochen Siegert, ehemals Strategiechef von Paypal Deutschland und jetzt mit Beckers und Hitfox-Mitgründer Hanno Fichtner in der Führungsspitze von FinLeap.

Dazu haben die FinLeap-Macher ein 30-köpfiges Team von Technologie- und Finanzexperten versammelt, mit Erfahrungen bei Hitfox, Goldman Sachs oder Mastercard. Unter dem FinLeap-Dach sind für das nächste Jahr 150 Neueinstellungen geplant. Die Anschubfinanzierung erhält FinLeap von Hitfox. Die Gruppe ist aber offenbar bereits in fortgeschrittenen Gesprächen mit Investoren. Details wurden auf Nachfrage nicht genannt.