Internet

Webseiten aus dem Baukasten

Der Homepage-Anbieter Jimdo ist auch ohne fremdes Kapital erfolgreich

Gründer in Deutschland klagen häufig über fehlendes Kapital. Die drei Erfinder des Webseiten-Baukastens Jimdo haben gezeigt, dass ein nachhaltiges und erfolgreiches Unternehmen auch ohne fremde Hilfe entstehen kann.

Jimdo ist leicht erklärt. Internetnutzer bauen sich aus Modulen per Klick Webseiten zusammen – nach ihrem Geschmack und ohne Programmierkenntnisse. Selbst Onlineshops lassen sich auf diese Weise erstellen. Auch das Geschäftsmodell ist simpel: Eine Basisversion ist kostenfrei, Extras gibt es gegen Gebühr. Mit Jimdo wurden inzwischen zwölf Millionen Webseiten erstellt, sagt Matthias Henze, einer der drei Gründer des Unternehmens.

Jimdo ist mit nur 500.000 Euro externem Kapital entstanden. „Deshalb war es von Anfang an wichtig, effizient zu arbeiten. Unser Ziel war stets, ein nachhaltiges, cooles Unternehmen mit globaler Relevanz aufzubauen, in dem Innovationen entstehen“, sagt Henze. Es scheint, als sei ihm das gelungen: Die Plattform ist mittlerweile in neun Sprachen verfügbar. Büros gibt es neben der Hamburger Zentrale in Tokio und San Francisco. „Nachhaltigkeit klappt am besten in einem Rahmen, in dem man sich wohlfühlt“, sagt der Gründer. Kleine Teams mit eigenen Visionen sind ein Markenzeichen des Unternehmens. Sie sind selbst dafür verantwortlich, die Arbeitsplätze zu schaffen, die sie brauchen und die ihnen gefallen.

Henzes Mitgründer Fridtjof Detzner und Christian Springub hatten 1998/1999 damit begonnen, Webseiten zu bauen. In ihrer Agentur fanden sie schließlich ein Werkzeug, mit dem das Aktualisieren von Webseiten aus dem Browser heraus einfach möglich wurde. Das wurde die Basis für ihr Unternehmen: zunächst Northklick und von 2007 an Jimdo. Ihr Ziel war ein automatischer Baukasten, mit dem sich Webseiten mit wenigen Klicks modular erstellen lassen. Mit dem Launch einer App für Googles mobiles Betriebssystem Android vor wenigen Wochen wurde dieser Baukasten komplett. Jimdo bezeichnet sich als einziges Unternehmen, das diesen Service auf allen relevanten Plattformen (Web, iOS, Android) anbietet.

Koch und Coaches

Unternehmenskultur spielt bei Jimdo eine zentrale Rolle. Angestellte Coaches helfen den Teams im Unternehmen, an ihrer eigenen Performance zu arbeiten. Es gibt Sam, den festangestellten Koch, zwei Tagesmütter für die Kinder der Angestellten und demnächst vielleicht sogar einen Fahrradmechaniker – neben der in der Branche bekannten Feelgood-Managerin Magdalena Bethge, die für das Klima im Unternehmen verantwortlich ist – und einem Bauernhof bei Cuxhaven, auf den sich Teams zurückziehen können, wenn sie an einem Projekt arbeiten wollen.

Ist das Finanzierungsmodell von Jimdo ein Beispiel für andere Start-ups? Das lasse sich nicht verallgemeinern, sagt Henze: „Gründer brauchen Startkapital-Marktplätze mehr als Software-Dienstleister mit einem klaren Geschäftsmodell.“ Jimdo hatte ein solches Geschäftsmodell mit einer klaren Monetarisierungsstrategie und konnte sich deshalb den Luxus leisten, sich gegen Fremdkapital zu entscheiden. Das Unternehmen hatte ferner den Vorteil, dass die Kunden die Bezahlvariante von Anfang an akzeptierten.

2011 wäre Jimdo fast der Verlockung fremden Kapitals erlegen. Die Gründer hatten sich ein Marketing-Konzept ausgedacht, das nur mit fremder Hilfe hätte umgesetzt werden können. „Wir hatten Top-Investoren, die einen achtstelligen Betrag investieren wollten. Doch wir haben uns gegen sie entschieden. Denn wir wollten ein cooles Unternehmen bleiben und waren nicht von dem Ziel eines Exits getrieben (Unternehmensverkauf zu einem maximalen Preis, d.Red.)”. Investorengeld zu nehmen, wäre unter diesen Voraussetzungen den Kapitalgebern gegenüber unfair gewesen, meint Henze. „Wir waren mit viel Spaß bei der Sache und wollten das nicht.“ Ihnen sei es darum gegangen, die Entscheidung über die Zukunft des eigenen Unternehmens selbst in der Hand zu behalten.

Auch die Kooperation mit dem Internet-Hoster United Internet (1&1), der 2008 in das Unternehmen investiert hatte, passte nicht zum Jimdo-Konzept. Offenbar waren die Unternehmensphilosophien zu unterschiedlich. Jimdo kaufte 2009 seine Anteile zurück.

Mobile Lösungen

Dabei soll es auch bleiben. „Es gibt noch viele Sachen, die wir machen wollen“, sagt Henze. Der Ausbau der mobilen Lösungen sei dabei sehr wichtig. Darin sieht Henze die größte Marktherausforderung. Eineinhalb Jahre lang hat Jimdo an der App gearbeitet, mit der vom iPad oder iPhone aus Webseiten sowohl für mobile als auch für stationäre Computer gebaut werden können. „Die Herausforderung bestand darin, Dinge wegzulassen“, sagt Henze.

App oder eine Browserapplikation, die wie eine Webseite funktioniert? Das ist auch für Jimdo eine zentrale Frage: „Die Webseite ist der kleinste gemeinsame Nenner für unterschiedliche Anforderungen“, sagt Henze. „Wir glauben, dass Browserapplikationen in Zukunft an Bedeutung gewinnen werden.“ Apps eignen sich nur bedingt für kleine und mittlere Unternehmen. Denn: „Wer würde sich die App seines Bäckers herunterladen und benutzen?“ fragt Henze mit einem skeptischem Tonfall in seiner Stimme.