Immobilien

Börsenneuling TLG drückt die Kosten

Der Berliner Immobilienkonzern plant weitere Zukäufe. Die Mitarbeiterzahl wird reduziert

Immobilienunternehmen gelten als ein bisschen langweilig, zumindest im Vergleich mit großen deutschen Industriekonzernen oder dynamischen jungen Start-ups. Und so stand auch der Börsengang der TLG Immobilien AG Ende Oktober etwas im Schatten der beiden Berliner Durchstarter Zalando (Internethandel) und Rocket Internet (Firmenentwickler). Aber immerhin wagte sich die TLG aufs Parkett. Und auch wenn der Kurs bisher etwas vor sich hindümpelt: Das Geschäft des Unternehmens lief in den vergangenen neun Monaten recht gut. Das Berliner Unternehmen, dem unter anderem die Kulturbrauerei gehört, stellte seine Zahlen am Freitag erstmals umfangreich öffentlich vor.

So stieg das Betriebsergebnis von Januar bis Ende September im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 28 Prozent auf 40,4 Millionen Euro. Die Mieteinnahmen beliefen sich auf 85,4 Millionen Euro, nach 88,9 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Allerdings habe das Unternehmen vor allem im letzten Quartal 2013 einige Immobilien, die nicht mehr zum Kerngeschäft gehörten, verkauft, sagte TLG-Vorstandsmitglied Niclas Karoff bei Vorlage der Zahlen. Bei den verbliebenen Gebäuden konnte die TLG im Schnitt 2,1 Prozent mehr Miete erzielen. Die Leerstandsquote sank auf 3,5 Prozent. „Wir sind mit den ersten neun Monaten zufrieden“, sagte Karoff.

Dass das Betriebsergebnis so gestiegen ist, hat vor allem auch damit zu tun, dass die TLG die Kosten drücken konnte. So sanken die Zinsausgaben, weil das Unternehmen Kredite zu günstigeren Konditionen erhalten konnte. Außerdem schrumpfte die Zahl der Mitarbeiter von 241 auf 155, wie TLG-Vorstandsmitglied Peter Finkbeiner sagte. Dadurch seien die Kosten deutlich gedrückt worden. Allein der Personalaufwand schrumpfte um 7,4 Millionen Euro auf 11,9 Millionen Euro. Mit der jetztigen Mitarbeiterzahl will Finkbeiner das Wachstum des Unternehmen, das er für die nächsten Jahre ankündigte, stemmen. Die TLG konzentriert sich auf Hotel-, Büro- und Einzelhandelsimmobilien in Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen. Rund 44 Prozent der Gebäude befinden sich in Berlin, 15 Prozent in Dresden und neun Prozent in Leipzig. Zu den derzeit 489 Einheiten mit einem Wert von rund 1,5 Milliarden Euro gehören neben der Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg der Hotelkomplex „Die Welle“ und das Cubix-Kino am Alexanderplatz.

Zuletzt hatte das Unternehmen einige Gebäude zugekauft, etwa Büroimmobilien an der Kaiserin-Augusta-Allee in Tiergarten oder an der Köpenicker Straße in Mitte. Dort ist zum Beispiel die regionale Vertretung der Gewerkschaft Verdi Mieter. Am Donnerstag übernahm die TLG ein Einkaufszentrum am Adlergestell in Adlershof für rund 31 Millionen Euro. Im dritten Quartal hatte die TLG auch das Forum am Brühl, einen Bürokomplex in der Leipziger Innenstadt, übernommen. Karoff kündigte weitere Käufe an. Dem Unternehmen sind aus dem Börsengang rund 100 Millionen Euro zugeflossen. Zusammen mit Krediten stehen der TLG voraussichtlich rund 200 Millionen Euro für Käufe zur Verfügung. Genaue Zahlen nannte Karoff nicht. Zudem will sich das Unternehmen noch von einigen Objekten trennen, die nicht mehr zum Kerngeschäft gehören, etwa kleinere Grundstücke und Gebäude in Sachsen, die nicht in Ballungsräumen liegen.

Relativ junges Unternehmen

Die TLG Immobilien AG ist ein relativ junges Unternehmen. Gegründet wurde es 1991 als Tochter der Treuhandanstalt. Mit dem Ende der Treuhand 1995 ging das Unternehmen in Staatsbesitz über. Die Wohnimmobilien gingen im November 2012 an die TAG Immobilien AG aus Hamburg. Die TLG konzentriert sich seither auf Gewerbeimmobilien. Das Bundesfinanzministerium verkaufte das Unternehmen kurz darauf für 1,1 Milliarden Euro an den US-Finanzinvestor Lone Star.

Die Amerikaner brachten die TLG am 24. Oktober an die Börse, ihr Anteil schrumpfte auf rund 43 Prozent. Zweitgrößter Aktionär ist eine Tochter des Allianz-Konzerns mit 4,2 Prozent. Die TLG ist an der Börse etwa 667 Millionen Euro wert, im Vergleich zu Zalando (5,7 Milliarden Euro) und Rocket Internet (8,25 Milliarden Euro) ist das klein. Richtig elektrisieren konnte das Immobilien-Papier die Anleger bisher nicht. Die Aktie notiert nur wenig über dem Ausgabekurs von 10,75 Euro. Immerhin kündigte Finkbeiner für 2014 eine Dividende an. Bei einem Betriebsgewinn von geschätzt 50 Millionen Euro schlägt er zehn bis 15 Millionen Euro als Ausschüttungsbetrag vor. 2015 sollen es 70 bis 80 Prozent des Betriebsgewinns sein. Eine genaue Prognose wagte das TLG-Vorstandsmitglied nicht. Finkbeiner und Karoff sind aber optimistisch.