Tarifkonflikt

Chance auf einen Dezember ohne Bahn-Streik

Die GDL prüft neues Angebot der Bahn. Vorerst gibt es keine Ausstände

Im Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn hat die Lokführergewerkschaft GDL weitere Streiks zumindest für die kommenden Tage und für Weihnachten ausgeschlossen. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) will bis kommenden Donnerstag ein erweitertes Angebot der Bahn prüfen, wie GDL-Chef Claus Weselsky am Freitag nach einer weiteren Verhandlungsrunde in Berlin sagte. Bis dahin werde nicht gestreikt. Zuvor hatte Weselsky einen Ausstand über die Feiertage ausgeschlossen: „Das ist eine Zeit, die ist friedvoll. Und wir haben nicht vor, in der Zeit Arbeitskämpfe stattfinden zu lassen.“ Eine Sprecherin ergänzte, dies gelte für die Weihnachtsfeiertage sowie Silvester und Neujahr.

Beide Seiten bewerteten die Verhandlungen unterschiedlich. Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber: „Ich bin zuversichtlich, weil wir die maßgeblichen Forderungen der GDL positiv beantwortet haben.“ Einer Fortsetzung der Verhandlungen stehe seiner Ansicht nach nichts im Wege. Die Bahn schlug nach Unternehmensangaben vor, neben Lokführern und Zugbegleitern stufenweise weitere Berufsgruppen in die Verhandlungen mit der GDL einzubeziehen. Dabei sollten konkurrierende Regelungen vermieden werden, erklärte das Unternehmen. Damit sei die Bahn auf maßgebliche Forderungen der GDL eingegangen.

Die GDL wiederum habe akzeptiert, dass aus Sicht der Bahn am Ende inhaltsgleiche Regelungen stehen müssten. Die Bahn verhandelt parallel mit der konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Unterschiedliche Tarifverträge für gleiche Berufsgruppen will das Unternehmen dabei auf jeden Fall vermeiden.

Weselsky äußerte sich nach den Verhandlungen „ernüchtert“ . Das schriftliche Angebot entspreche nicht dem, was zuvor in den mündlichen Verhandlungen vereinbart worden sei, sagte er in Berlin. So seien in dem schriftlichen Angebot konkurrierende Tarifregelungen für gleiche Beschäftigungsgruppen bei der Bahn – und damit eine zentrale Forderung der GDL – ausgeschlossen. Hauptvorstand und Tarifkommission würden das Angebot nun prüfen.

In dem Tarifkonflikt streiten sich GDL und EVG seit Monaten, wer für welche Berufsgruppe die Tarifverhandlungen führen darf. Bisher handelte die EVG für rund 140.000 Bahn-Angestellte die Arbeitsbedingungen aus, darunter Zugbegleiter, Lokrangierführer und Mitarbeiter im Bordservice. Die kleinere GDL war nur für die rund 20.000 Lokführer des Konzerns zuständig. Neuerdings verhandelt die GDL auch für Zugbegleiter verhandeln, die bei ihr organisiert sind.