Markt

Ölpreis wird wohl noch weiter fallen

Energiepreise sind auf dem tiefsten Stand seit 2010. Grund ist auch das Fracking

Mit ihrem Festhalten an den aktuellen Fördermengen hat die Opec den Ölpreis am Freitag auf den tiefsten Stand seit viereinhalb Jahren gedrückt. Die richtungsweisende Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich um zwei Prozent auf 71,12 Dollar je Barrel (159 Liter). Die jüngste Entwicklung an den Rohstoffmärkten wirft auch für die Verbraucher in Deutschland Fragen auf.

Wird der Ölpreise noch weiter fallen?

Darauf deutet zumindest kurzfristig vieles hin. Das liegt einfach daran, dass am Weltmarkt ein Überangebot an Rohöl herrscht. Die Internationale Energieagentur (IEA) hatte beispielsweise den weltweiten Bedarf an Rohöl aus den Ländern der Opec im nächsten Jahr auf durchschnittlich 29,2 Millionen Barrel (je 159 Liter) pro Tag geschätzt. Das Ölkartell hat sich selbst ein Förderziel von 30 Millionen Barrel gesetzt. Allerdings halten sich die Opec-Staaten nicht an die eigenen Ziele und fördern seit Monaten mehr als vereinbart. Außerdem wird in den USA mit der umstrittenen Fracking-Methode immer mehr Rohöl zu Tage gefördert. Die Folge: Die größte Volkswirtschaft der Welt muss nur noch vergleichsweise wenig Öl auf dem Weltmarkt kaufen. Vor diesem Hintergrund sagte der Chef des russischen Ölkonzerns Rosneft, Igor Setschin, den Rückgang des Ölpreises 2015 auf unter 60 Dollar voraus. Experten sehen aber beim aktuellen Ölpreis auch eine Übertreibung nach unten. Für das nächste Jahr rechnen etliche Ökonomen damit, dass die Weltwirtschaft im weiteren Verlauf wieder stärker in Schwung kommt. Dann wird auch wieder mehr Rohöl verbraucht und die Preise könnten wieder steigen.

Werden Benzin und Heizöl noch günstiger?

Mit der rasanten Talfahrt der Ölpreise auf dem Weltmarkt können sich die Verbraucher durchaus auf weiter fallende Preise an den Zapfsäulen und beim Heizöl einstellen. Der Beginn der Heizperiode stützt zwar in der Regel den Heizölpreis. Aber die Entwicklung am Weltmarkt wird mit einiger Verzögerung auch bei den Verbrauchern ankommen. Die Tankstellenpreise haben dank des immer weiter fallenden Ölpreises bereits den niedrigsten Stand seit vier Jahren erreicht.

Welche Folgen hat der Preisverfall für Anleger?

Angetrieben vom Ölpreisverfall gehen die internationalen Börsen auf Rekordjagd, der Dax nimmt seinen Höchstwert von 10.050,98 Punkten ins Visier. Selbst bei stagnierenden Umsätzen sorge die niedrigere Energie-Rechnung für steigende Gewinne bei den Unternehmen, so die Erwartung Vor allem Fluggesellschaften wie die Lufthansa profitierten am Freitag. Energiewerte wie die der Ölkonzerne BP oder Royal Dutch Shell warfen Anleger dagegen aus dem Depot.

Welche negativen Folgen hat die Talfahrt?

Der für Verbraucher, ölverbrauchenden Unternehmen und Länder erfreuliche Preisverfall hat auch seine Schattenseiten. Sinken die Einnahmen der Ölförderländer, könnte sich das auch negativ auf die Nachfrage aus exportstarken Ländern wie Deutschland auswirken. Der Preisverfall bereitet zudem den Währungshütern Sorgen. Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht die Stabilität des Euro bei einer Inflationsrate von knapp zwei Prozent als gewährleistet an. Die Talfahrt der Ölpreise hat die Inflation aber in die Nähe der Nullmarke gedrückt. Die Folge: Die EZB stemmt sich mit zahlreichen Maßnahmen gegen den Preisverfall und öffnet die Geldschleusen immer stärker.