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Zalando bringt Gap zurück nach Deutschland

US-Modekette setzt auf Onlinemacht der Berliner Händler. Start Mitte 2015

Nach knapp zehn Jahren traut sich die US-Modemarke Gap wieder auf den deutschen Markt. Allerdings sind keine Geschäfte in Einkaufsstraßen geplant. Gap verkauft künftig über den Internetmodehändler Zalando. Die Berliner werden von Mai 2015 an Jeans und Shirts der US-Marke in den virtuellen Laden hängen.

„Viele Kunden in Europa kommen immer noch nicht an die Produkte der Marke Gap heran“, sagte David Schneider, einer der Zalando-Gründer und Mitglied im Vorstand. „Wir bieten eine Plattform, um 15 lokale Märkte zu erschließen, in der jeweiligen Sprache und Währung, ohne Versandkosten, ohne Rücksendekosten und so weiter.“ Zalando ist neben Deutschland unter anderem in Frankreich, Spanien, Italien, Skandinavien und Polen tätig.

Gap hatte sich 2004 nach neun Jahren aus Deutschland verabschiedet. Damals verkaufte das Unternehmen seine Filialen an den Konkurrenten H&M. Gap konnte sich damals im Wettbewerb nicht durchsetzen und scheute vor allem hohe Investitionen. Jetzt hofft die Kette, über die Zusammenarbeit mit Zalando wieder stärker ins deutsche Geschäft zu kommen.

Zurzeit gibt es in Europa rund 200 Gap-Läden, vor allem in Großbritannien, Frankreich und Italien. Die Firma verkauft und verschickt ihre Kleider über ihre eigene Internetseite auch in 24 europäische Länder, darunter nach Deutschland. Offenbar verspricht sich Gap jetzt von Zalando mehr, als die Kette selbst im Internet kann. „Wir müssen dort sein, wo die Kunden sind. Zalando ist die am besten besuchte E-Commerce-Seite in Europa“, sagte Stefan Laban, der für das Gap-Geschäft in Europa und Japan verantwortlich ist. „Wir wollen eine der größten Marken auf der Seite sein.“

Der Konzern will unabhängiger werden vom US-Markt, der von einem harten Wettbewerb geprägt ist. Dazu will die Modekette auch 40 neue Shops in Indien eröffnen und den Internethandel ausbauen. 3500 Läden betreibt Gap weltweit, allein 1000 in den USA. Das Unternehmen, 1969 gegründet, setzte im vergangenen Jahr mit 137.000 Beschäftigten rund 16 Milliarden Dollar (13 Milliarden Euro) um.

Auch die europäischen Textilriesen und Gap-Konkurrenten, der spanische Inditex-Konzern (unter anderem Zara) und H&M aus Schweden, setzen verstärkt auf das Onlinegeschäft. Sie betreiben aber eigene Internetseiten und verkaufen ihre Mode nicht über Händler wie Zalando.

Im Vergleich zu Gap ist Zalando jung. Die Berliner starteten 2008 damit, Schuhe über das Internet zu verkaufen. Inzwischen handelt der Konzern mit rund 1500 Modemarken. Anfang Oktober ging Zalando an die Börse. In Brieselang, Erfurt und Mönchengladbach betreibt Zalando eigene Logistikzentren. 2013 setzte das Unternehmen 1,8 Milliarden Euro um, 2014 wird wohl die Zwei-Milliarden-Grenze erreicht. Im ersten Halbjahr schrieb Zalando operativ schwarze Zahlen. Der Konzern beschäftigt gut 7000 Mitarbeiter.