Arbeitskampf

Bahn-Tarifkonflikt: Annäherung oder Streik möglich

Beide Gewerkschaften wollen nun getrennt verhandeln

Diesmal suchte Claus Weselsky nicht die große Bühne. Anders als unlängst beim Auftakt zum großen Streik oder vor dem Arbeitsgericht in Frankfurt verschwand der Chef der Lokführergewerkschaft GDL nach einem Spitzengespräch in Köln ohne Auftritt vor Kameras. Er überließ das Feld seinem Rivalen von der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Alexander Kirchner, und dem Bahnmanager Ulrich Weber.

Missglückt, geplatzt, gescheitert? Den Ausgang des Treffens bewerteten die beiden recht unterschiedlich. Gewerkschaftschef Kirchner ließ keinen Zweifel daran, wer aus seiner Sicht verantwortlich ist, dass EVG und GDL nicht gemeinsam mit der Deutschen Bahn um höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen ringen: „Wir hatten die Chance, die Spaltung der Belegschaft zu beenden, das ist am Widerstand der GDL gescheitert.“

Bahn-Personalvorstand Weber urteilte mit Milde: „Ich würde jetzt davon absehen, Schuldzuweisungen vorzunehmen“, sagte er am Morgen nach der dreieinhalbstündigen Unterredung. Für ihn scheint es mittlerweile ein Wert an sich zu sein, wenn verhandelt wird – nach dem Motto: Wer verhandelt, streikt nicht. Es gebe ja „ein vernünftiges Ergebnis, weil wir wieder am Tisch sitzen, und nur am Tisch können wir zu Ergebnissen kommen“, sagte Weber im Deutschlandfunk.

Weselsky zerstreute später Zweifel daran, dass die GDL an den Verhandlungstisch zurückkehrt. Der Termin am Freitag in Frankfurt stehe: „Es ist an der Zeit, endlich die Entgelt- und Arbeitszeitbedingungen für unser Zugpersonal zu verbessern.“ Die GDL fordert von der Bahn fünf Prozent mehr Geld, eine kürzere Wochenarbeitszeit und den Abbau von Überstunden.

Unterm Strich ist die Ausgangslage vor dem Freitag dennoch brisant. Die Positionen der drei Parteien sind seit Wochen nahezu unverändert. EVG und GDL verhandeln nicht gemeinsam. Die Tarifrunde wird deshalb am Freitag in getrennten Sitzungen weitergeführt. Erst sprechen EVG und Bahn, dann GDL und Bahn miteinander. Wie kommen dann am Ende für ein und dieselbe Berufsgruppe inhaltsgleiche Tarifverträge heraus, wie das Bahn und EVG wollen, die GDL aber nicht unbedingt?

Mit Arbeitskampf drohte die GDL am Mittwoch nicht. Bei der EVG hielt man sich ebenso zurück. Natürlich sei ein Streik nicht auszuschließen, meinte Kirchner: „Das ist aber kein Mittel, das wir leichtfertig ausrufen.“