Umweltschutz

Klimafreundlich ohne Kohle

Berliner Forscher empfehlen in einer Studie, alte Kraftwerke abzuschalten

Das Aus für Atomstrom ist beschlossen, jetzt sollen auch alte Kohlekraftwerke abgeschaltet werden, zumindest die Grünen und die Umweltschutzorganisation Greenpeace fordern das vehement — aus Klimaschutzgründen. Nach einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) verringerte sich der Ausstoß von Kohlendioxid jährlich um bis zu 23 Millionen Tonnen, sollten alte Anlagen abgeschaltet werden. DIW-Energieexpertin Claudia Kemfert empfahl, Stein- und Braunkohlekraftwerke durch effizientere Gaskraftwerke zu ersetzen.

Die Bundesrepublik hat sich verpflichtet, den Kohlendioxidausstoß bis 2020 im Vergleich zu 1990 um mindestens 40 Prozent zu senken. Forscher schätzen, dass es derzeit nur 33 Prozent werden. Die Lücke von etwa 70 Millionen Tonnen Kohlendioxid könne zu einem Drittel geschlossen werden, wenn Steinkohlekraftwerke mit einer Kapazität von drei Gigawatt und Braunkohlekraftwerke mit einer Kapazität von sechs Gigawatt stillgelegt würden, prognostizieren die DIW-Experten. Bei der Braunkohle träfe es besonders die großen Energieversorger RWE und Vattenfall.

Derzeit entstehen den Angaben zufolge etwa 85 Prozent der Emissionen bei der Stromproduktion in Braun- und Steinkohlekraftwerken. Nach Ansicht von Kemfert würde bei einem Abschalten ineffizienter Kohlekraftwerke zwar der Börsenstrompreis moderat steigen, das verbessere jedoch die Wirtschaftlichkeit der für die Energiewende so wichtigen Gaskraftwerke, sagte sie. Es sei kaum zu erwarten, dass Privathaushalte mehr zahlen müssten.

Die Studie hatten die Grünen-nahe Heinrich-Böll-Stiftung und die European Climate Foundation in Auftrag gegeben. Nach Ansicht der Stiftung ist angesichts „der Unwucht auf dem Strommarkt“ die schrittweise Abschaltung von Kohlekraftwerken unverzichtbar. Kürzlich hatte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) bei einer Veranstaltung der Deutschen Energieagentur (Dena) deutlich gesagt, was er von solchen Plänen hält. Er sprach von „blauäugigem Ökopopulismus“ und den „Illusionen der Energiewende-Propaganda“. Kohlekraftwerke seien für eine Übergangsphase der Energiewende hin zu erneuerbaren Energien wichtig.