Tarifkonflikt

Drohen Bahnstreiks zu Weihnachten?

Gewerkschaften und Konzern treffen sich am Dienstag zu tariflichen Vorgesprächen

Wie gut die Deutsche Bahn diesmal durch den Winter kommt, hängt von der Witterung ab. Und vor allem von der weiteren Entwicklung des Tarifkonflikts – und damit maßgeblich von der Lokführergewerkschaft GDL. „Vorbereitet auf weitere Streiks im Dezember sind wir notgedrungen. In den vergangenen Wochen hatten wir reichlich Gelegenheit, dafür zu üben“, sagt ein Bahn-Manager bitter. Doch erstmals gibt es in der bislang festgefahrenen Tarifauseinandersetzung einen Hoffnungsschimmer.

Am Dienstag entscheidet sich, ob über Weihnachten streikbedingt Störungen im Schienenverkehr drohen. Denn an diesem Tag treffen sich Vertreter von Bahn, der GDL und der größeren Bahngewerkschaft EVG zu einem vertraulichen Gespräch. Dabei soll geklärt werden, wie sie miteinander verhandeln werden. Können sich die Vertreter auf einen Verhandlungsmodus einigen – bisher die Haupthürde –, wird am Freitag erstmals über die konkreten Lohn- und Arbeitszeitforderungen der Gewerkschaften gesprochen. Allein das wäre ein großer Schritt nach vorn.

Seitens der Bahn ist man zuversichtlich, dass man sich mit beiden Gewerkschaften auf ein Verhandlungsverfahren einigen kann. Immerhin hat die streitbare GDL schon mal ihr Kommen für Freitag zugesagt. Allerdings schießt nun die EVG quer, die sich ebenfalls in Tarifgesprächen mit der Bahn befindet, aber bislang auf Drohgebärden verzichtet hat. Die ersten zwei Verhandlungsrunden seien konstruktiv verlaufen, lassen beide Seiten verlauten. Aber zu einem Dreiergipfel will die EVG nun nur kommen, wenn alle Parteien zuvor erklären, dass eine Tarifkonkurrenz innerhalb des Bahnkonzerns vermieden wird.

Genau auf dieser Konkurrenz beharrt aber seit Monaten die GDL. Sie will nämlich auch für jene Bahn-Beschäftigten verhandeln, die bislang ausschließlich von der EVG vertreten wurden. Erneut sieht es damit nach einer Sackgasse und einer weiteren Eskalation aus. Die EVG zeigte allerdings in der Vergangenheit stets mehr Augenmaß und Pragmatismus als die GDL.

Ginge es nur um das, was die beiden Gewerkschaften an Verbesserungen am Arbeitsplatz fordern, könnte es am Ende doch noch eine kurze Tarifrunde werden. Die EVG möchte sechs Prozent mehr Lohn für die Bahner, mindestens aber 150 Euro mehr pro Monat. Offenbar will die Bahn der EVG diese Woche erstmals ein Angebot dazu vorlegen. Die GDL wiederum verlangt fünf Prozent mehr Lohn, eine Arbeitszeitverkürzung um zwei Stunden auf 37 Stunden pro Woche sowie eine Begrenzung der Überstunden.

Derzeit stockt die Bahn das Personal auf. Nach Informationen der Morgenpost hat der Konzern in den ersten neun Monaten dieses Jahres rund 9500 neue Mitarbeiter eingestellt, 800 mehr als im Vorjahreszeitraum. Das macht abzüglich der Abgänge ein Plus von 1500 Mitarbeitern in Deutschland; außerdem hat das Unternehmen dieses Jahr mit 3700 Auszubildenden alle vorgesehenen Plätze besetzt und mehr als 2500 Azubis übernommen. Und das, obwohl das Geschäft der Bahn hierzulande nicht wächst.