Auto

Daimler lässt den Maybach auferstehen

Nobelmarke kommt als veredelte S-Klasse. Die Schwaben haben einen neuen Trumpf

Daimler belebt den Maybach neu. Zwei Jahre, nachdem der Automobilhersteller das Aus der Nobelmarke verkündet hat, feiert sie Wiederauferstehung. Allerdings nicht mehr als eigene Marke – der Maybach geht als Teil der Mercedes-Familie an den Start. Die S-Klasse wird seine neue Basis. Der Maybach ist allerdings noch mal 200 Millimeter länger als die Langversion der S-Klasse. „Ich bin 1,95 Meter groß, aber ich fühle mich darin wie in der Kabine eines Business-Fliegers“, sagte Mercedes-Vertriebschef Ola Källenius beim ersten Probesitzen vor Publikum in Sindelfingen. Sein Optimismus ist keine Überraschung – er muss die Edellimousine verkaufen, und beim alten Maybach war das zuletzt nur noch mit Mühe möglich.

Seit der letzten Wiederbelebung des Maybach durch Daimler im Jahr 2002 waren 3200 Exemplare verkauft worden. Rivale Bentley hatte in dieser Zeit in seinem besten Jahr sogar mehr als 10.000 Fahrzeuge abgesetzt. Am 17. Dezember 2012 hatte schließlich das letzte Maybach-Fahrzeug die Manufaktur im Werk Sindelfingen verlassen.

Das Geschäft mit Edelkarossen war im Zuge der Finanzkrise eingebrochen. Inzwischen steigen die Verkaufszahlen wieder, und Daimler will daran teilhaben. Der jährliche Markt für Automobile der obersten Klasse wird global auf 20.000 Stück geschätzt. Ein kleines, aber hoch lukratives Geschäft, weil hier die Margen weit größer als sonst in der Branche sind.

Die Edellimousine trägt auf dem Kühlergrill den Mercedesstern, auf dem Heck wird „Maybach“ prangen. „Der neue Maybach wird preislich unter den Vorgängern liegen. Aber er wird das Beste und Individuellste sein, was Daimler zu bieten hat“, sagte Källenius. Insider gehen davon aus, dass ein Maybach um die 240.000 Euro kosten wird. Das ist teurer als eine S-Klasse, die je nach Ausstattung bei circa 200.000 liegt, aber weit günstiger als der alte Maybach, der mit rund 400.000 Euro zu Buche schlug.

Die enge Anlehnung an die Mercedes-Familie ist Chance und Risiko zugleich. Zwar kann die Nobelmarke von den technologischen Entwicklungen der S-Klasse profitieren. Gleichzeitig nimmt ihr die enge Anlehnung an Mercedes die Aura des absoluten Superluxus’. Der alte Maybach litt unter anderem daran, dass viele Kunden ihn als aufgemotzte S-Klasse gesehen haben. Gescheitert war Maybach aber letztlich daran, dass die Finanzkrise der 2000er-Jahre den Markt für Superluxusautos empfindlich gestört hatte – und Daimlerchef Dieter Zetsche die Geduld für die Marke fehlte.

Die Tatsache, dass der neue Maybach deutlich erschwinglicher ist, wird bei Daimler als größter Trumpf gegenüber dem Vorgängermodell gesehen. „Mit einem Preis knapp oberhalb der S-Klasse können wir mit dem neuen Maybach ganz andere Kundengruppen ansprechen“, sagte ein Daimler-Manager.