Einbußen

Lokführerstreiks verschrecken Kunden der Deutschen Bahn

Die Deutsche Bahn muss wegen der Lokführerstreiks auch langfristig um Kunden bangen.

„Es besteht die Gefahr, dass Kunden dauerhaft abwandern“, sagte eine Bahnsprecherin. Das gilt nach Konzernangaben sowohl für den Personenverkehr als auch für den Gütertransport. Seit September ruft die Lokführer-Gewerkschaft GDL ihre Mitglieder immer wieder zu Streiks bei der Bahn auf. Besonders Fernbusunternehmen hatten von steigender Nachfrage berichtet.

Schon die direkten Umsatzeinbußen während der Streiks kommen die Bahn teuer zu stehen. Als Lokführer im Oktober ein komplettes Wochenende streikten, lag der Schaden für das Unternehmen in zweistelliger Millionenhöhe. Der volkswirtschaftliche Schaden dürfte nach Expertenschätzungen bis zu 50 Millionen Euro täglich betragen.

Am Sonntagabend endet eine Streikpause der GDL. Bei der Deutschen Bahn könnte damit ab Montag wieder gestreikt werden. Die GDL wollte sich zu einem neuerlichem Ausstand nicht äußern. Sollte es zu einem neuen Streik kommen, werde man die Fahrgäste rechtzeitig informieren, hieß es. Am Freitag machten bereits Gerüchte die Runde, die GDL wolle von Montag an 91 Stunden streiken, das wären fast vier Tage.

Die GDL fordert im aktuellen Tarifstreit unter anderem fünf Prozent mehr Lohn und eine kürzere Wochenarbeitszeit. Ihr geht es aber auch darum, dass die Gewerkschaft mit der Bahn über sämtliche Berufsgruppen verhandeln will – nicht nur über die Lokführer. Bis zum Sommer hatte ein Kooperationsabkommen geregelt, dass die GDL die Verhandlungen für die Lokführer führte, während die konkurrierende und wesentlich größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) für andere Mitarbeitergruppen zuständig war. Seit die Übereinkunft ausgelaufen ist, wollen beide Gewerkschaften jeweils das gesamte Personal vertreten. Die Bahn will konkurrierende Tarifverträge unbedingt vermeiden.

Die EVG bot der GDL erneut die Zusammenarbeit an. „Kommt in die Verhandlungskommission und lasst uns gemeinsam mit der Bahn verhandeln. Davon profitieren alle unsere Mitglieder“, sagte EVG-Chef Alexander Kirchner dem „Focus“. Er verwies darauf, dass die Tarifabschlüsse der EVG „in der Vergangenheit besser waren als die der GDL“. Allerdings gelte bislang auch für die der EVG angeschlossenen Lokführer „der schlechtere GDL-Vertrag“.