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Apple-Chef: „Ich bin stolz, schwul zu sein“

Tim Cook will mit seinem Bekenntnis Vorbild für andere Führungskräfte sein

Apple-Chef Tim Cook hat öffentlich gemacht, dass er homosexuell ist. „Ich bin stolz, schwul zu sein“, schrieb der 53-Jährige in einem Beitrag für das amerikanische Wirtschaftsmagazin „Businessweek“. Viele Kollegen bei Apple wüssten das bereits. Er hoffe, dass sein Schritt anderen helfen oder sie inspirieren werde. Cook hatte sich bisher nie öffentlich zu seiner sexuellen Orientierung geäußert.

Die Unternehmenskultur bei Apple sei besonders offen. „Nicht alle haben so viel Glück“, schrieb Cook. Er kündigte an, dass sich Apple für die Gleichberechtigung von Schwulen, Lesben und anderen Gruppen einsetzen werde. „Wir werden weiter für unsere Werte kämpfen“, schrieb er, „und ich werde mich persönlich weiterhin für die Gleichberechtigung aller einsetzen“. Schwul zu sein, betrachte er als das „größte Geschenk, das Gott mir gegeben hat“.

Cook steht mit seinem Coming-out nicht alleine da. Doch Führungspersonen in der Wirtschaft, die offen schwul oder lesbisch leben, sind immer noch selten. Bei den größten börsennotierten US-Unternehmen gebe es zwar einige homosexuelle CEOs, schrieb der Journalist James Stewart im Sommer für die „New York Times“. Doch keiner von ihnen habe sich öffentlich zu seiner sexuellen Orientierung äußern wollen.

Etliche dürften sich vor den Folgen gefürchtet haben. Als John Browne, der Chef des Ölkonzerns BP, von der Zeitung „The Mail on Sunday“ im Jahr 2007 als schwul beschrieben wurde, legte er daraufhin sein Amt nieder. „Leider gab es einige Leute, vor allem aus der Wirtschaft, die mir danach nie wieder menschliche Wärme haben spüren lassen“, schrieb Browne später in einem Buch.

Für seinen Schritt erhielt Cook Lob aus der Branche. Microsoft-Chef Satya Nadella schrieb auf Twitter, er sei inspiriert von Cook. Laut Facebook-Gründer Mark Zuckerberg zeigte Cook, was es bedeutet, ein „echter, mutiger und authentischer Anführer“ zu sein. Der Mitgründer des Multimedia-Software-Anbieters Real Networks, Rob Glaser, äußerte die Hoffnung, dass Cooks Schritt Jugendlichen Mut machen werde. „Wenn sie 14 Jahre alt sind und herausfinden, dass der Chef eines der legendärsten Unternehmen der Welt schwul ist, denken sie: „Es gibt keine Grenzen dafür, was ich schaffen kann“, sagte Glaser der „New York Times“.

Cook schrieb in dem Beitrag, die Entscheidung sei ihm nicht leicht gefallen. „Privatsphäre bleibt wichtig für mich, und ich möchte etwas davon behalten.“ Er hoffe aber, damit andere zu ermutigen, sich selbst zu akzeptieren oder für ihre Gleichberechtigung zu kämpfen. „Teil des gesellschaftlichen Fortschritts ist das Verständnis, dass eine Person nicht von ihrer Sexualität, ihrer Rasse oder ihrem Geschlecht definiert wird“, schrieb Cook. „Ich bin ein Ingenieur, ein Onkel, ein Naturfreund, ein Fitness-Besessener, ein Sohn des Südens, ein Sport-Fanatiker und vieles mehr.“

Der Verwaltungsratschef von Apple, Arthur Levinson, sagte, Cook werde von der gesamten Firma und dem Aufsichtsgremium unterstützt. Seine Entscheidung werde die Gleichstellung vorantreiben, erklärte Levinson der „New York Times“ zufolge.