Unternehmen

Saturn greift Amazon an

Metro-Töchter wollen mit App und neuem Laden-Design Kunden zurückgewinnen

Der Handelskonzern Metro erwacht aus seiner Schockstarre über den rasanten Aufstieg des Versenders Amazon im deutschen Elektronik-Markt. Um wieder mehr Kunden in ihre Läden zu locken und verloren gegangene Marktanteile zurück zu erobern, packt etwa die Tochter Saturn ein neues Laden-Design mit einem Bündel aus Services neu zusammen, wie rund um die Uhr geöffnete Packstationen direkt neben den Eingängen, Tablets für Online-Bestellungen in den Läden oder die Vermeidung von Wartezeiten durch Zeitmanagement-Programme und SMS-Nachrichten. Die Kette stellte das Konzept am Dienstag in Ingolstadt vor.

Saturn und die Schwesterfirma Media Markt, aber auch Karstadt, Douglas und andere Händler erhoffen zudem mehr Kunden durch neue Bonus- und Prämien-Apps. Die Idee: Wer die App auf seinem Smartphone lädt, wird mit Bonuspunkten bereits für das Betreten eines Ladens belohnt, während klassische Rabattprogramme nur Einkäufe honorieren. In den USA sollen solche Mini-Programme wie Shop-Kick bereits mittlere Wunder bei der Steigerung der Kundenfrequenz vollbracht haben. Welche Läden in der Nähe mitmachen, zeigt die App zudem per Karte an. Jeder Ladenbesuch bringt zwar nur Bonuspunkte im Wert weniger Cent, doch im Geschäft kann der Kunde weitere Punkte dafür einsammeln, dass er Produkte mit seinem Handy scannt.

Die technisch immer perfektere nahtlose Verknüpfung des digitalen Einkaufs per Handy oder Mausklick mit den realen Geschäften vor Ort sorgt dafür, dass die Karten im Wettbewerb mit reinen Versendern neu verteilt werden, gab sich Media-Saturn-Manager Carsten Strese in Ingolstadt überzeugt. „Vor einigen Jahren hat man gefragt, ob der stationäre Handel noch eine Chance hat. Heute muss man fragen, ob Pure Player wie Amazon noch eine Chance haben.“

Investitionsbudget nicht gekürzt

Die Aussage ist heikel. Denn erst vorige Woche hatte Media Saturn selbst eine Offensive im reinen Online-Geschäft angekündigt. Unter dem Namen Electronics Online Group wolle man „ein Portfolio von Online-Pure-Play-Unternehmen und –Konzepten“ aufbauen, mit dem kürzlich von Metro erworbenen Elektronik-Versender Redcoon im Mittelpunkt. Konkurrenz im eigenen Haus also. „Bei uns stehen alle Vertriebslinien im Wettbewerb“, sagte eine Firmensprecherin. „Am Ende geht es darum, dass die Kunden zu uns kommen, egal, auf welchem Weg.“ Bei Saturn jedenfalls sollen sie vorzugsweise in den Laden kommen, wenn es nach dem Management geht. Das modernisierte Shop-Konzept solle in den kommenden fünf bis sechs Jahren nach und nach auf alle 156 Geschäfte der Kette in Deutschland ausgerollt werden, sagte Strese. Das Investitionsbudget für die Häuser werde nicht gekürzt, vielmehr werde die Zahl der Filialen etwa im selben Tempo wachsen wie bisher.

Im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr 2013/14 hatte Saturn in Deutschland fünf Häuser neu eröffnet, vier weitere zogen an neue Standorte um. „Wir rechnen bei Saturn im laufenden Geschäftsjahr mit einem Umsatzwachstum“, gab sich Strese optimistisch. 2013/14 hatten Saturn und Media Markt dagegen Einbußen hinnehmen müssen. Der gemeinsame Umsatz sank in bereinigter Rechnung um 0,9 Prozent auf 21 Milliarden. Im letzten Quartal zeigte der Trend indes mit einem Plus von 1,8 Prozent leicht nach oben.