Umfrage

Die Wirtschaft bekommt schlechte Laune

Geschäftsklimaindex sinkt erneut. Skepsis wächst auch in der Region

Die deutsche Wirtschaft gibt die Hoffnung auf einen versöhnlichen Jahresabschluss auf. Die Stimmung der Top-Manager verschlechterte sich im Oktober bereits den sechsten Monat in Folge und ist nun so schlecht wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. Der Geschäftsklima-Index fiel unerwartet deutlich um 1,5 auf 103,2 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut am Montag zu seiner Umfrage unter 7000 Firmenchefs erklärte. Der Industrie- und Handelskammertag (DIHK) macht dafür nicht nur Krisen wie in der Ukraine oder die Flaute in der Euro-Zone verantwortlich, sondern sieht auch in der Politik der Regierung einen Stimmungskiller.

„Die heimische Wirtschaftspolitik verunsichert die Unternehmen zunehmend – vor allem den Mittelstand“, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben, dessen Verband 27.000 Mitgliedsfirmen zur Konjunktur befragt hat. Besonders die Beschlüsse zur Rente mit 63 Jahren und die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns belasteten. Der DIHK rechnet im kommenden Jahr nur noch mit einem Wachstum von 0,8 Prozent – in etwa halb so viel wie bisher. Der Verband ist damit weit pessimistischer als die Bundesregierung, die 1,3 Prozent erwartet. Der wachsenden Verunsicherung zu begegnen, sollte die Merkel-Regierung ein Signal mit steuerlichen Erleichterungen setzen, so Wansleben.

Die Talfahrt des wichtigsten deutschen Konjunkturbarometers sorgte bei Börsianern für schlechte Laune. Der Dax fiel zeitweise um 0,7 Prozent auf 8917 Zähler. Investoren hatten auf ein besseres Ergebnis in der Ifo-Umfrage gehofft. Denn zuletzt war der Einkaufsmanager-Index für die deutsche Industrie überraschend gestiegen ebenso wie das GfK-Konsumklima. Die vom Ifo-Institut befragten Firmenchefs schätzten sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate schlechter ein als im Vormonat. In den einzelnen Branchen fielen die Ergebnisse allerdings unterschiedlich aus. Im Großhandel und bei den Dienstleistern hellte sich die Stimmung auf, im Einzelhandel und im Baugewerbe sowie vor allem in der Industrie trübte sie sich ein. „In der Industrie gibt es kaum Lichtblicke“, sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe zu Reuters.

Skepsis über die zukünftige Entwicklung herrscht auch in der Region Berlin-Brandenburg. Zwar beurteilt die meisten Firmen in beiden Bundesländern ihre aktuelle Lage als gut. Doch die Mittelstandsumfrage der Berliner Sparkasse ergab, dass die Zahl der Unternehmen wächst, die die Entwicklung nicht mehr ganz so positiv beurteilt. Die 1800 befragten kleinen und mittleren Betriebe bewerteten ihre Lage demnach mit 6,2 von zehn Punkten, also 0,4 Prozentpunkte schlechter als vor einem Jahr. So trübte sich in Brandenburg die Stimmung im Vergleich zum Jahresbeginn leicht ein. 19 Prozent der Unternehmer rechnen dort mit einer Verschlechterung der Situation, wie die IHK Potsdam am Montag bekannt gab.