Justiz

Bewährungsstrafe für Ex-Technikchef des Flughafen BER

Der ehemalige Technikchef des Berliner Hauptstadtflughafens, Jochen Großmann, ist wegen Bestechlichkeit und Betrugs zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt worden.

Ein vom Amtsgericht Cottbus erlassener Strafbefehl sei rechtskräftig, teilte die Staatsanwaltschaft Neuruppin am Montag mit. Danach muss Großmann zudem eine Geldauflage von 200.000 Euro zahlen. Der Ingenieur und Geschäftsführer des Dresdner Unternehmens GICON war Mitte April zum Technikchef berufen und schon Anfang Juni nach Bekanntwerden der Korruptionsaffäre um einen Planungsauftrag für die Entrauchungsanlage wieder entlassen worden.

Klage wegen Kündigung

Dem Strafbefehl zufolge hatte Großmann – vor seiner Berufung zum Technikchef – noch als Berater des BER Ende 2013 den Planungsauftrag an eine Firma vermittelt. Dafür habe er von diesem Anbieter Vorteile für sein Unternehmen im Umfang von fast einer halben Million Euro verlangt, die auf die Kosten für die Flughafengesellschaft aufgeschlagen werden sollten. Nach dem Auffliegen der Absprache habe sich die Bieterfirma aber an die ursprüngliche Kalkulation gehalten, sodass es in diesem Fall bei einem versuchten Betrug blieb.

Flughafenchef Hartmut Mehdorn scahltete daraufhin die auf Korruptionsbekämpfung spezialisierte Staatsanwaltschaft in Neuruppin ein, die am 27. Mai in Berlin und Dresden Wohn- und Geschäftsräume von Großmann und seiner Firma durchsuchen ließ. Mehdorn hatte seinerzeit betont, es handle sich um einen kriminellen Einzelfall.

In zwei anderen Fällen habe Großmann für Planungsleistungen am BER überhöhte Rechnungen gestellt und die Flughafengesellschaft um knapp 50.000 Euro betrogen, heißt es in dem Strafbefehl. Hinzu kamen zwei weitere Betrugsversuche, bei denen es um insgesamt 5000 Euro ging. Großmann habe auf Rechtsmittel verzichtet und somit den Strafbefehl akzeptiert, sagte Oberstaatsanwalt Frank Winter. Allerdings hat der Ingenieur gegen seine Entlassung geklagt. Dazu ist am kommenden Mittwoch eine Güteverhandlung beim Arbeitsgericht Cottbus angesetzt. Der BER gilt als eines der größten Planungsdesaster der öffentlichen Hand. Schon jetzt werden Kapazitätsengpässe befürchtet, da der Airport für 27 Millionen Passagiere jährlich ausgelegt ist. 2013 waren es in Tegel und Schönefeld schon 26,3 Millionen. Im Jahr 2016 müsste der Neubau nach einer Studie aber 31 Millionen Passagiere bewältigen.