EZB-Prüfung

Ein weiter Weg

Nach dem Stresstest: Ökonomen kritisieren langfristige Strategie der deutschen Banken

Nachdem es in den vergangenen Jahren fast nur Besorgnis erregende Nachrichten aus Europa gegeben hatte, bot der vergangene Sonntag endlich Grund zur Zuversicht: Die Europäische Zentralbank (EZB) stellte den Geldhäusern bei ihrem Gesundheits-Check ein überwiegend positives Zeugnis aus: „Die Banken sind gesünder und robuster, als viele Experten es geglaubt haben“, sagte EZB-Vizepräsident Vítor Constâncio, der es spürbar genoss, diese unerwartet positive Nachricht zu verkünden.

Nicht so Bundesbankvorstand Andreas Dombret, der sich äußerst besorgt zeigte, und Wasser in den Wein goss. Die deutschen Institute hätten im Stresstest zwar gezeigt, dass sie auch starken Belastungen gewachsen seien, sagte Dombret. „Das hilft sicherlich, den Marathon zu überstehen.“ Um ihn zu gewinnen, müsse man aber auch schneller laufen können als die Konkurrenz – und zwar über eine sehr lange Strecke.

Im weltweiten, aber auch im europäischen Vergleich lägen die deutschen Banken gemessen an der Rendite unter dem Durchschnitt, weil sie zu stark vom Zinsergebnis abhängig seien, sagte Dombret. Auch die große Zahl der Banken belaste die Ertragslage. Die Institute müssten mehr Geld verdienen und gleichzeitig ihre Kosten senken.

Ist es um die deutschen Institute wirklich so schlecht bestellt wie Dombret es darstellt? Mit Blick auf den Stresstest kann man das sicher verneinen. Hier präsentiert sich die deutsche Bankenlandschaft im europäischen Vergleich als solide. Von den 130 Geldhäusern, die die EZB in den vergangenen neun Monaten auf Herz und Nieren geprüft hatte, scheiterten zwar 25 Institute. Allerdings stammten die Durchfaller vor allem aus den Krisenländern Italien, Zypern und Griechenland. In Deutschland fiel dagegen wie erwartet nur die genossenschaftliche Immobilienbank Münchener Hyp durch – sie hat ihre Kapitallücke bereits geschlossen.

Reduzierung der Landesbanken

Trotzdem ist die Sorge der deutschen Aufseher berechtigt. Im Stresstest haben die deutschen Institute lediglich bewiesen, dass sie für die nächsten drei Jahre über ein ausreichend dickes Kapitalpolster verfügen. Die Frage, ob langfristig auch ihr Geschäftsmodell etwas taugt und sie ausreichend Geld verdienen, bleibt vom Abschneiden beim EZB-Gesundheitscheck dagegen unberührt.

Doch gerade hier schwächeln die deutschen Banken. So kommt eine Studie der Unternehmensberatung Bain zu dem Ergebnis, dass die Eigenkapitalrendite der deutschen Banken in den Jahren 2011 bis 2013 nur 1,6 Prozent betrug. Das heißt: Für 100 Euro, die Aktionäre oder andere Eigentümer des Instituts einsetzen, kommt pro Jahr also nur 1,60 Euro Gewinn heraus. Thomas Hartmann-Wendels, Bankenprofessor an der Universität Köln: „Auch wenn alle Landesbanken durch den Stresstest gekommen sind, ist sicherlich fraglich, ob ihr Geschäftsmodell tragfähig ist. Sie wollen ihr Geschäft vor allem mit größeren Firmenkunden machen. Doch so viele gibt es gar nicht in Deutschland, so dass sie damit ausreichend verdienen könnten. Es sollte langfristig nur drei oder vier Landesbanken in Deutschland geben. Vielleicht sogar noch weniger.“ Zudem halte er „zwei große, deutsche Geschäftsbanken für wichtig. Schon allein aus Wettbewerbsgründen“, so Wendels. „Wenn die Commerzbank es geschafft hat, ihre Vergangenheit zu überwinden, wird sie auch neben der Deutschen Bank bestehen können.“