Personalien

Weibliche Topmanager auf dem Schleudersitz

Kienbaum untersucht die Fluktuation in den Vorständen der Dax-Konzerne

Gesucht, gefunden – rausgeflogen. Seit die Bundespolitik der Wirtschaft mit der Einführung einer Frauenquote droht, suchen Deutschlands Großunternehmen verzweifelt nach geeigneten weiblichen Führungskräften. Noch nie schien die Zeit besser für hoch qualifizierte Frauen, um Karriere zu machen, als heute. Manches weibliche Toptalent, so der gelegentliche Eindruck, hat mehr Headhunter-Kontakte, als sich mit einem gesunden Arbeitsalltag vereinbaren lassen.

Problematisch für die Frauen ist nur, dass die seit Jahrzehnten von Männern geprägte Führungskultur in vielen Dax-Konzernen wenig mit dem neuen weiblichen Spitzenpersonal zu harmonieren scheint. Zumindest war die Fluktuation bei weiblichen Dax-Vorständen in den vergangenen anderthalb Jahren zweieinhalbmal so hoch wie bei den Männern. Das ergab eine Untersuchung der Unternehmensberatung Kienbaum für die Berliner Morgenpost.

„Von den im Dax gelisteten Unternehmen sind 38 Vorstände im Untersuchungszeitraum gegangen“, so die Studie. Unter den 38 Vorständen aus den 21 Unternehmen waren 31 Männer und sieben Frauen. Hochgerechnet auf die Gesamtzahl der Vorstandsmänner in allen Dax-Firmen ergibt das eine Fluktuationsquote von 20 Prozent. In sechs der insgesamt elf Unternehmen mit weiblichen Vorstandsmitgliedern sind sieben weibliche Vorstände ausgeschieden. Die Fluktuationsquote beläuft sich auf 51Prozent. „Wenn seit 2013 jede zweite Frau in Dax-Vorständen ihren Posten räumt oder räumen muss, ist das eine klare Aussage: In Deutschlands Dax-Vorständen fehlt noch eine Kultur, die Frauen im Topmanagement fördert“, sagt Kienbaum-Geschäftsführer Walter Jochmann. Das zeige sich selbst bei diesem begrenzten Untersuchungskreis. „Klar ist aber auch, dass es genügend qualifizierte Frauen gibt. Die Auswahlprozesse auf Aufsichtsratsebene müssen nur weiter in dieser Richtung professionalisiert werden.“

Die Abgänge von Frauen sind nicht auf spezifische Branchen beschränkt. Ende April etwa verließ Elke Strathmann den Autozulieferer Continental. E.on, Post, Telekom und Fresenius Medical Care verloren ebenfalls Vorstandsfrauen. Hart traf es das weibliche Spitzenpersonal bei Siemens: Mit Brigitte Ederer und Barbara Kux verließen gleich zwei Frauen den Vorstand.

Ein Trost: In den vergangenen Monaten ist der Frauenanteil in den Vorständen wieder von 5,5 auf sieben Prozent gestiegen, rechnet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung vor. 13 der 185 Vorstandsposten sind nun mit weiblichem Führungspersonal besetzt. Außerdem erfülle ein Drittel der Firmen die von der Regierung geplante Quote für Frauen in Aufsichtsräten. Der Anteil der Frauen in diesen Kontrollgremien beläuft sich zurzeit auf knapp 25 Prozent. Ganz langsam also geht es aufwärts.