Sanierung

Karstadt-Chef kündigt massive Einschnitte an

Internes Schreiben an die Mitarbeiter. Der Aufsichtsrat diskutiert über Schließungen

Die Führung von Karstadt stimmt die Mitarbeiter vor der Aufsichtsratssitzung am Donnerstag auf harte Einschnitte ein. „Wir stehen erst am Anfang der Sanierung“, machte Interims-Chef Miguel Müllenbach den 17.000 Beschäftigten am Dienstag in einem Mitarbeiterbrief klar. Der Umbau des Warenhaus-Konzerns müsse nun entschlossen angepackt werden, und er werde „einschneidende Veränderungen nach sich ziehen - nicht zuletzt auch durch entschiedene Einsparungen von Personal- und Sachkosten“, heißt es in dem internen Schreiben weiter.

Die Erwartungen an die bevorstehende Aufsichtsratssitzung, Klarheit zu schaffen, sind hoch. Etwa zwei Dutzend der 83 Karstadt-Warenhäuser gelten als gefährdet, mindestens 3000 Arbeitsplätze stehen auf der Kippe. Dennoch halten es Firmenkenner für unwahrscheinlich, dass die Kontrolleure in dieser Woche bereits eine umfangreiche Schließungsliste vorlegen werden. Der Imageschaden im heraufziehenden Weihnachtsgeschäft – gerade für die Warenhäuser die wichtigste Zeit des Jahres – wäre zu groß.

Viel Zeit kann sich das Unternehmen nicht nehmen. „Um Karstadt zu retten, muss alles auf den Prüfstand“, schreibt Müllenbach. Schon im Januar hatte Aufsichtsratschef Stephan Fanderl erklärt: „Grundsätzlich gilt, dass das neue Managementteam an der Profitabilität jedes einzelnen Standorts arbeiten muss.“ Dieser Prozess werde „Standort für Standort“ abgearbeitet. Bisher liegen jedoch keine Ergebnisse vor. Der 51-jährige Chefaufseher wird inzwischen offen als künftiger Chef des Unternehmens gehandelt.

„Das hinter uns liegende Geschäftsjahr gehört mit zu den schwierigsten in der Geschichte von Karstadt“, raubt Müllenbach den Beschäftigten in seinem Schreiben alle Illusionen, das Schlimmste sei bereits überstanden. Der „mehrfache Wechsel in der Geschäftsführung“ habe die tägliche Arbeit erschwert. Karstadt schreibe zudem nach wie vor rote Zahlen. Auch die „damit verbundene unausweichliche Notwendigkeit einer harten Sanierung“ habe das Unternehmen „sehr stark belastet.“ Die Mahnungen richten sich offenbar auch an die Gewerkschaft Ver.di.

Müllenbach macht den Mitarbeitern aber auch Mut. Trotz eines Umsatzrückgangs habe Karstadt im Ende September auslaufenden Geschäftsjahr 2013/14 erstmals seit drei Jahren das operative Ergebnis verbessert. Außerdem sei mehr Geld in der Kasse, „mit dem wir arbeiten können.“ Die Mittel wurden aber nicht aus eigener Kraft erarbeitet. Vielmehr spielen Zuschüsse des neuen Eigentümers, der Signa Holding, die entscheidende Rolle.

„Wir haben uns auch mit Hilfe der Signa Holding eine deutlich bessere Situation erarbeitet, die es uns ermöglicht, das vor uns liegende Weihnachtsgeschäft und die Sanierung solide zu finanzieren“, heißt es in dem Brief. Signa hatte zunächst 150 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Abgesehen davon seien viele Verbesserungen erreicht, Überbestände abgebaut, Verträge mit vielen Lieferanten nachverhandelt worden.