Börse

Berliner TLG trotzt dem Aktien-Tief

Immobilienfirma geht an die Börse. Tele Columbus verschiebt seine Pläne

Die Berliner Gewerbeimmobilien-Firma TLG Immobilien lässt sich vom jüngsten Kursrutsch deutscher Aktien nicht von ihren Börsenplänen abbringen. Der für den 24. Oktober geplante Gang an die Frankfurter Börse soll bis zu 507 Millionen Euro einbringen, wie die TLG am Dienstagabend mitteilte. Nur ein Viertel davon kommt aber dem Unternehmen selbst zugute, das weitere Büro- und Einzelhandels-Immobilien in Berlin und anderen ostdeutschen Großstädten kaufen will. Verhandlungen darüber liefen bereits. Der Rest der Erlöse geht an den US-Finanzinvestor Lone Star, an den die deutsche Bundesregierung die einstige Treuhand Liegenschaftsgesellschaft (TLG) vor drei Jahren verkauft und damit privatisiert hatte. Lone Star lässt seine Beteiligung damit bis auf 40 Prozent abschmelzen.

Bis zu 36,85 Millionen Aktien sollen Investoren von Mittwoch an in einer Preisspanne von 10,75 Euro bis 13,75 Euro angeboten werden. Zudem stellt die TLG eine Dividende in Aussicht. Schon für das laufende Jahr sollen 10 bis 15 Millionen Euro an die Aktionäre ausgeschüttet werden, künftig sogar 70 bis 80 Prozent des operativen Gewinns aus dem laufenden Geschäft (FFO). Dieser lag im ersten Halbjahr 2014 bei 26 Millionen Euro. „Wir werden die Emissionserlöse aus der Kapitalerhöhung nutzen, um mit Hilfe wertsteigernde Zukäufe und Investitionen in unser Kernportfolio unser zukünftiges Wachstum zu unterstützen“, sagte TLG-Vorstand Peter Finkbeiner.

Den Wert der gut 500 Büros, Hotels und Geschäfte in Städten wie Berlin, Dresden, Leipzig und Rostock beziffert die TLG auf 1,51 Milliarden Euro. Aushängeschilder aus dem TLG-Portfolio sind die Kulturbrauerei und der Spreestern in der Berlin sowie das Zwinger-Forum in Dresden, das ein Einkaufszentrum und ein Hotel beherbergt. Der Bestand geht auf die Immobilien zurück, die nach der Wiedervereinigung in den Besitz der Treuhand übergegangen waren.

Dagegen haben der Berliner TV-Kabeldienstleister Tele Columbus und die Onlineanzeigenplattform Scout24 mit ihrem Berliner Zugpferd ImmobilienScout24 ihre Pläne Insidern zufolge erst einmal auf die lange Bank geschoben. „Das derzeitige, noch bis Mitte November offene Fenster zu nutzen, ist eher unrealistisch“, sagte einer der Banker mit Blick auf Tele Columbus. „So schnell wird sich der Aktienmarkt nicht stabilisieren.“ Der Dax hat in den vergangenen vier Wochen mehr als neun Prozent verloren, weil sich die Anleger Sorgen um die Konjunktur machen. Eine Scout24-Sprecherin sagte: „Wir prüfen die Möglichkeit, an die Börse zu gehen, weiterhin, stehen da aber nicht unter Zeitdruck. Wir sind da entspannt.“ Anders als TLG und Tele Columbus hat Scout24 die unmittelbaren Vorbereitungen noch nicht angeschoben. Vorstandschef Greg Ellis hatte aber bereits begonnen, die Öffentlichkeit mit Interviews auf seine Börsenpläne einzustimmen.

Scout24 hatte mit dem schnellen Drängen an die Börse viele überrascht. Schließlich waren die US-Finanzinvestoren Hellman & Friedman und Blackstone erst zu Jahresbeginn eingestiegen, der Deutschen Telekom gehören noch 30 Prozent. Ellis ist mit der Konzentration auf die Portale AutoScout24 und ImmobilienScout24 längst nicht fertig. Die Idee war, mit dem Börsengang mutige Investoren an Bord zu holen und sich mit der Aktiennotiz eine Plattform für Übernahmen zu schaffen. „Die Eigentümer von Scout24 haben keinen Grund, schnell wieder zu verkaufen. Sie würden lieber warten, als mit Abschlägen zu verkaufen“, sagte ein Insider.