Unternehmen

Türöffner für Gründer

Die neue „Berlin Start-up-Unit“ will junge Unternehmen aus allen Branchen mit den richtigen Partnern vernetzen

Christian Bogatu hat das Start-up Kiwiki gegründet. Sein Team hat einen Funksender erfunden, der Eingangstüren von Mietshäusern ohne Schlüssel öffnet. Dass die Präsentation der neuen „Berlin Start-up-Unit“ am Freitag in seinen Geschäftsräumen stattfand, könnte Programm gewesen sein. Denn auch bei der Unit geht es um das Öffnen von Türen und den Aufbau von Netzwerken. Die neue Unit soll die Kompetenzen des Landes Berlin sowie von Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft vereinen und eine Geschäftsstelle bei der Wirtschaftsförderungsorganisation Berlin Partner haben.

Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) und Stefan Franzke, Geschäftsführer von Berlin Partner, stellten das Konzept am Freitag vor. „Wir wollen Gründer an die richtigen Ansprechpartner vermitteln“, sagte Yzer. Diese Aufgabe kommt vorrangig Berlin Partner zu. Das sind die Spezialisten für das Vernetzen. Yzer betonte, die neue Unit solle branchenoffen arbeiten. „Die Start-up-Unit ist keine reine Digital-Unit.“ Sie solle auch Unternehmen aus Bio- und Medizintechnik, Industrie und Design unterstützen.

Die Unternehmensberatung McKinsey hatte die Koordinierungsstelle vor einem Jahr vorgeschlagen. Sie sollte die prosperierende Berliner Start-up-Szene voranbringen. Die Senatskanzlei wollte bei ihrer Steuerung eine zentrale Rolle einnehmen und brachte die verschiedenen Akteure an einen Tisch. Der Kerngruppe gehören die Senatskanzlei, die öffentliche Verwaltung, Investitionsbank (IBB), Industrie- und Handelskammer (IHK) und Berlin Partner an. Ferner sollte es einen größeren Zirkel geben mit Hochschulen, Wirtschaft und anderen Verbänden. Die Unit orientiert sich an den von McKinsey vorgeschlagenen fünf Initiativen: Vernetzung der Hochschulen, Entbürokratisierung, Entwicklung eines Start-up-Campus, Gründung eines Wagniskapitalfonds und schließlich dem Aufbau eines Gründer-Netzwerkes.

Während sich die Unit zwölf Monate lang mit ihrer Selbstfindung beschäftigte, waren die Akteure der Start-up-Szene aktiv: Wagniskapital findet inzwischen verstärkt seinen Weg nach Berlin. Die Finanzausstattung der Unternehmen hat sich deutlich verbessert – nicht zuletzt durch die IBB, die junge Unternehmen aus ihrem 100-Millionen-Euro-Fonds finanziert. Dabei werden durch Kooperationen mit privaten Kapitalgebern Investitionssummen erreicht, die um das Fünf- bis Sechsfache über den öffentlichen Einsätzen liegen. Das trägt massiv zu dem Effekt bei, dass Frühphasenfinanzierungen in Berlin heute nicht mehr die große Herausforderung sind, wohl aber Folgefinanzierungen von fünf bis 25 Millionen Euro.

Fortschritte macht auch die Entbürokratisierung: Die IHK wird mit dem Business Welcome Service die Start-up-Unit unterstützen. Die Planungen dafür sind (auch ohne Unit) schon weit fortgeschritten. Das Foyer des IHK-Gebäudes soll ab 2015 zur zentralen Anlaufstelle für Gründer umgebaut werden. Dort soll auch der Weg durch den Behördendschungel vereinfacht werden.

Gesamtberliner Projekt

Strittig ist unter den Beteiligten, wer in der Unit das Sagen haben sollte: die Politik oder die Verwaltung. „Wir sind auf einem guten Weg“, räumte Jan Pörksen ein, bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) als Geschäftsführer für Existenzgründer zuständig. Unter allen Beteiligten müsse die Vereinbarung gelten, dass es einen Ansprechpartner gebe und nicht mehrere. Die Start-up-Unit habe nur dann Erfolg, wenn sie ein Gesamtberliner Projekt werde. „Wir brauchen den Regierenden Bürgermeister als Schirmherrn.“ Er solle zwischen den Verwaltungen und anderen Stakeholdern vernetzen und moderieren.

Eine Baustelle ist noch der von McKinsey geforderte Wagniskapitalfonds für Start-ups. Factory-Gründer Simon Schäfer, der selbst in 44 Start-ups investiert hat, trommelt dazu Kapitalgeber zusammen. Er möchte die deutsche Wirtschaft dafür begeistern, in junge Unternehmen zu investieren und den Standort zu stärken. Seine Vision ist ein europäischer „Smart Money Fonds“. Darunter versteht er zum einen die Kapitalausstattung von Unternehmen, zum anderen eine Art Brutkasten, in dem Gründer betreut werden, um schneller zu wachsen. Die Unit will an Plänen für die Ansiedlung eines Start-up-Campus in Gebäuden des Flughafens Tempelhof festhalten. Es lägen Anfragen für mehr als 80.000 Quadratmeter Gewerbeflächen vor, sagte Franzke.