Kommentar

Berlin verspielt eine Chance

Jürgen Stüber über die neue Start-up-Unit

Als die Unternehmensberatung McKinsey vor einem Jahr ihre Studie „Berlin gründet“ vorstellte, lag Enthusiasmus in der Luft. Die Berliner Start-up-Szene war rasant gewachsen und hatte erste wirtschaftliche Erfolge gezeitigt. Es herrschte die Vision einer zweiten Berliner Gründerzeit.

Gewiss gab und gibt es auch strukturelle Probleme: die Hürden der deutschen Bürokratie, zu wenig Unternehmergeist in der Universitätslandschaft, ein unzureichendes Angebot an Gewerbeflächen, ein Mangel an Kapital und ein rudimentär ausgebildetes Gründernetzwerk. McKinsey identifizierte diese fünf Defizite und fand in der Senatskanzlei und dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit einen Partner, das zu ändern.

Man wollte von der britischen Hauptstadt London lernen, wo einige Jahre früher eine ähnliche Erfolgsgeschichte geschrieben wurde und wo eine Start-up-Unit Gründern auf die Beine hilft. Am Freitag stellten Berlin Partner und die Senatswirtschaftsverwaltung die Unit vor. Das Konzept bleibt vage und beschränkt sich auf das Öffnen von Türen.

Erforderlich wäre ein Management mit dem politischen Auftrag, das Ecosystem zu stärken. Es müsste die Freiheit haben, ohne Rücksicht auf Partikularinteressen mit der in der Start-up-Welt üblichen Flexibilität zu entscheiden. Dann würde diese Stelle Innovation schaffen. Für die Start-up-Szene gibt es Handlungsbedarf angesichts steigender Lebenshaltungskosten und schwindender Freiräume für kreatives Leben in der Stadt. Denn sollte sich der politisch zu gestaltende Rahmen verschlechtern, könnte ein Teil der Gründerkarawane genauso schnell weiter ziehen wie er gekommen ist.