Fluggesellschaften

Bund bremst Air Berlins Geldgeber

Luftfahrtbundesamt untersagt gemeinsame Flüge der Gesellschaft mit Partner Etihad

Herber Rückschlag für Air Berlin: Das Luftfahrtbundesamt stoppt die rasante Expansion des arabischen Geldgebers Etihad in Deutschland und erklärt wichtige Flugvereinbarungen der beiden Gesellschaften für ungültig. Damit fällt ein zentraler Bestandteil der Zusammenarbeit der zweitgrößten deutschen Airline mit dem Großaktionär aus dem Morgenland weg. Der angeschlagenen Air Berlin geht so mitten in der Sanierung ein wichtiger Umsatzbringer verloren, da die Maschinen künftig weniger ausgelastet sein dürften. Als sicher gilt, dass die Firmen vor Gericht ziehen, um die Entscheidung anzufechten. Der Bund und die Gesellschaften streiten darüber, wie viele dieser Flugvereinbarungen derzeit erlaubt sind.

Konkret dreht sich der Streit um sogenannte Codeshare-Abkommen zwischen den Deutschen und der Fluglinie aus Abu Dhabi. Air Berlin geht auch mit Flügen an den Start, bei denen Etihad mit einer eigenen Flugnummer vertreten ist. Das Bundesamt habe 34 solcher Vereinbarungen untersagt und damit jede zweite, sagte Air-Berlin-Chef Wolfgang Prock-Schauer. Die Behörde habe ähnliche Abkommen der beiden Fluglinien in den vergangenen Jahren anstandslos durchgewinkt. „Da der wirtschaftliche Schaden hauptsächlich bei Air Berlin läge, wird die Airline im Rahmen ihrer Möglichkeiten alle rechtlichen Schritte unternehmen, um diesen Bescheid anzufechten.“ Gleichzeitig werde aller Voraussicht nach Etihad gegen das Bundesamt klagen, sagte ein Air-Berlin-Sprecher. Etihad erklärte in Abu Dhabi, dass die Entscheidung der deutschen Behörde zweifelhaft sei.

Air Berlin steckt wegen eines übereilten Expansionskurses tief in der Krise und hat in den vergangenen fünf Jahren nur einmal Gewinne geschrieben. Etihad kaufte 2011 knapp 30 Prozent der Aktien und hält den Lufthansa-Rivalen seither mit Finanzspritzen von bislang 800 Millionen Euro und Sachleistungen wie neuen Flugzeugsitzen über Wasser. Ohne die Hilfen stünde Air Berlin vor dem Aus. Im Gegenzug sicherte sich die staatliche Airline vom Persischen Golf einen besseren Zugang zum deutschen Markt. Denn neben den vier Flughäfen hierzulande, die die Araber selbst anfliegen dürfen, wird Air Berlin für weitere Zubringerflüge zum Etihad-Drehkreuz Abu Dhabi eingespannt, etwa von Berlin und Stuttgart. Diese Verbindungen sowie die Anschlussflüge in Europa tragen teilweise eine Etihad-Flugnummer. Strittig war und ist die Auslegung einiger vor Jahren geschlossener Luftfahrt-Verträge zwischen Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emiraten – dem Heimatland von Etihad.

Der Vormarsch der Fluglinie stößt nicht das erste Mal auf Widerstand. Europäische Rivalen werfen Etihad vor, bei Air Berlin trotz einer Minderheitsbeteiligung eigentlich das Sagen zu haben. Der Vorwurf rief bereits Aufsichtsbehörden auf den Plan. Insbesondere seit der jüngsten Rettungsaktion für Air Berlin im Frühjahr wird der Vorwurf lauter, doch ergab die rechtliche Prüfung bislang nichts. Nach Ansicht von Luftfahrt-Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler will das Luftfahrtbundesamt vor dem Hintergrund nicht untätig erscheinen. „Die Aufsichtsbehörde gibt damit das Zeichen, dass Etihad nicht ungehindert expandieren darf.“

Von der Entscheidung des Luftfahrtbundesamts sind Air Berlin zufolge 46.000 Buchungen im Winterflugplan betroffen. Für die Passagiere gebe es keine Auswirkungen. Mit Codeshares setzt Air Berlin im Jahr 100 Millionen Euro um. „Im Rahmen der Neustrukturierung ist der Umsatzbeitrag sehr wichtig“, sagte ein Air-Berlin-Sprecher.