Unternehmen

Des Kaiser’s neue Kleider

Tengelmann verkauft 451 Supermärkte an Edeka. Kartellamt sieht Pläne skeptisch

Das Bundeskartellamt wird die geplante Übernahme von 451 Tengelmann-Supermärkten mit knapp 16.000 Beschäftigten durch den Branchenprimus Edeka nicht einfach durchwinken. Tengelmann hatte das Vorhaben am Dienstag bekannt gegeben. Man freue sich darauf, den Mitarbeitern der Filialkette Kaiser’s-Tengelmann eine Zukunftsperspektive geben zu können, sagte Edeka-Chef Markus Mosa. Edeka soll auch die Online-Tochter Tengelmann E-Stores GmbH mit den Portalen Plus.de und GartenXXL.de bekommen.

Doch so weit ist es noch nicht. Nach den Marktkenntnissen des Amts aus früheren Verfahren sei schon der jetzige Konzentrationsgrad im Lebensmittelhandel ein Problem, erklärte Kartellamtspräsident Andreas Mundt. Er kündigte eine intensive Prüfung an.

Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub warnte am Nachmittag in Mülheim umgehend vor den Folgen eines möglichen Übernahmeverbots. Im schlimmsten Fall müssten die Filialen geschlossen werden, sagte er: „Die Alternative ist, dass 16.000 Menschen keinen Arbeitsplatz mehr haben.“ Er rechne mit einer vertieften Prüfung der Wettbewerbshüter und vertraue darauf, dass sich „eine vernünftige Lösung finden wird“. Eine offizielle wettbewerbsrechtliche Anmeldung des Vorhabens sei noch nicht erfolgt. Der Deal soll Mitte 2015 abgeschlossen werden. In Berlin sind davon rund 150 Kaiser’s-Filialen betroffen.

Allerdings geht es auch für das Bundeskartellamt in diesem Fall um die Glaubwürdigkeit. Erst vor knapp zwei Wochen hatten die Wettbewerbshüter eine mehr als 450 Seiten starke Analyse der Wettbewerbssituation in der Branche veröffentlicht, die sich heute in Teilen wie ein Warnschuss gegen den Übernahmeplan liest. „Allein Edeka vereint weit mehr als ein Viertel aller Umsätze im deutschen Lebensmitteleinzelhandel auf sich und ist in vielen regionalen Absatzmärkten marktführend“, heißt es.

Das führende Quartett, zu dem neben Edeka auch Rewe, Aldi und die Schwarz-Gruppe mit Lidl gehört, komme auf einen gemeinsamen Marktanteil von 85 Prozent. Dank ihrer Marktmacht könnten die Ketten erhebliche Rabatte bei den Herstellern durchsetzen, die zu Qualitätseinbußen und Verdrängung in der Industrie führen könnten, fürchtet die Wettbewerbsbehörde. Edeka hatte die Untersuchung als unrealistisch kritisiert. Haub schloss sich gestern an. Tengelmann verfüge über gerade 0,6 Prozent Marktanteil in Deutschland. Eine Übernahme werde die Gewichte nicht spürbar verschieben.

Geht es nach den Unternehmen, wird der Name „Tengelmann“ aus dem deutschen Lebensmittelhandel verschwinden. Haub mochte sich nicht darauf festlegen, ob und wie viele Filialen möglicherweise geschlossen werden und ob es zu einem Arbeitsplatzabbau kommt.