Wettbewerb

Die erzwungene Nullrunde

Fernbus-Konkurrenz hält die Bahn von Preiserhöhung ab. Trotzdem gibt es einige Änderungen. Ein Überblick

Ein normaler Montag am Zentralen Omnibusbahnhof von Berlin: Reisebusse Stoßstange an Stoßstange, leuchtend grün, gelb und blau. Die Lautsprecher kündigen heute mehr als 250 Busse an. Nach Hamburg und Köln, Kopenhagen und Prag, an die Ostsee, selbst in kleinere Städte wie Brilon und Zeitz – oft für wenige Euro. Wer wissen will, warum die Bahn sich kaum noch traut, im Fernzug die Preise zu erhöhen, sollte sich hier umsehen.

Neun Millionen Menschen stiegen 2013 in einen Fernbus. In diesem Jahr könnten es doppelt so viele werden, schätzt der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer. Lange hat der Staatskonzern die neue Konkurrenz unterschätzt – jetzt nimmt er den Kampf auf. Doch seine Waffen sind schwach. Einige Kilometer vom Busbahnhof ragt die Zentrale der Deutschen Bahn hoch in den Berliner Himmel. Den Finanzleuten dort machen die Fernbusse Sorgenfalten. Die Deutschen legten im ersten Halbjahr 2,8 Prozent weniger Kilometer in Fernzügen zurück. Die Bahn fürchtet, dieses Jahr bis zu 120 Millionen Euro Umsatz an die Busse zu verlieren. Weil die Züge dennoch fahren, schlägt das nahezu 1:1 aufs Ergebnis durch.

Am Montag nun schlug der Konzern zurück. Erste Entscheidung: In der zweiten Klasse von ICE, Eurocity und Intercity sind die neuen Preise für Fernverbindungen die alten. Es ist erst das zweite Mal seit 2002, dass der Fernverkehr zum Fahrplanwechsel im Dezember nicht teurer wird. Ulrich Homburg weiß, dass der Preis für die Bahn ein recht stumpfes Schwert ist. „Ein Preiskampf mit dem Fernbus schließt sich aus, den können sie nicht gewinnen“, sagt der Mann, der als Vorstand den Personenverkehr der Bahn verantwortet. Der Fernbus werde immer billiger sein. „Wir müssen unser Produkt bei Service und Qualität deutlich stärker abgrenzen zu den Bussen.“

Fernverkehr Teurer wird es für die Kunden der ersten Klasse, also für etwa zehn bis 15 Prozent der Bahnfahrer im Fernverkehr. Sie zahlen im Schnitt 2,9 Prozent mehr. Dafür können sie im ICE-Kernnetz mit einer Länge von 5200 Kilometern kostenfrei das Internet nutzen. Eine Sitzplatzreservierung ist beim Kauf eines Erste-Klasse-Tickets künftig inklusive. Bisher kosten der Internetzugang 4,95 Euro und eine Reservierung 4,50 Euro. In der zweiten Klasse bleiben die Fahrpreise stabil.

Sparpreise Sparpreise bietet die Deutsche Bahn auf Fernstrecken an. Sie werden nicht teurer und sind weiterhin ab 29 Euro zu haben, auf besonders kurzen Strecken ab 19 Euro. Beim Kauf dieser Tickets entfällt ab Mitte Dezember die Servicegebühr von fünf Euro, die bisher in Reisezentren, DB-Agenturen oder beim telefonischen Reiseservice erhoben wurde. Die Sparpreis-Angebote sind auch auf Vergleichsportalen für Fernbusse zu finden. Das Kontingent ist aber begrenzt.

Nahverkehr Die Ticketpreise im Nahverkehr gelten überall dort, wo nicht der Tarif eines Verkehrsverbundes gültig ist. Nach Angaben der Deutschen Bahn ändert sich für die Hälfte aller Fahrten im Nahverkehr der Preis. Hier wird das Bahnfahren um durchschnittlich 1,9 Prozent teurer. Allerdings verteuern sich die Normalpreise in der ersten und zweiten Klasse im Schnitt um 2,9 Prozent, Zeitkarten für Berufs- und Ausbildungspendler bleiben stabil.

Schönes-Wochenende-Ticket Bisher ist das Ticket für pauschal 44 Euro zu haben und gilt für maximal fünf Fahrgäste. Hier wird die Berechnung geändert: Ab Mitte Dezember wird ein Grundpreis für die erste Person in Höhe von 40 Euro fällig, jeder Mitfahrer zahlt vier Euro. Bei maximal vier Mitfahrern kostet das Ticket so künftig bis zu 56 Euro – ein Plus von 27 Prozent.

Länder-Tickets Auch die meisten Länder-Tickets setzen sich aus einem Grundpreis und einem Aufschlag pro Mitfahrer zusammen. Bei einigen wird mit dem Fahrplanwechsel der Grundpreis angehoben, bei einigen der Mitfahrerpreis. Beim Quer-durchs-Land-Ticket, das an Wochentagen Regionalfahrten durch Deutschland ermöglicht, bleiben die Preise stabil.

Bahncards/Zeitkarten An den Preisen für BahnCards und Streckenzeitkarten im Fernverkehr ändert die Deutsche Bahn nichts. Auch im Nahverkehr gelten die bisherigen Preise für Zeitkarten für Berufs- und Ausbildungspendler weiter.

Kreditkartengebühr Die Deutsche Bahn führt bereits ab 4. November ein sogenanntes Zahlungsmittelentgelt ein, wenn innerdeutsche Tickets oder BahnCards mit einer Kreditkarte oder über den Bezahldienst Paypal bezahlt werden. Sie wird ab einem Einkaufswert von 50 Euro fällig und beträgt maximal ein Prozent des Einkaufswertes, im schlimmsten Fall drei Euro. Wer im Zug mit Kreditkarte zahlt, muss die Gebühr nicht zahlen. Sie wird auch nicht für Fahrkarten für den Nahverkehr, für internationale Verbindungen oder beim Kauf von Reservierungen erhoben.

Umtausch und Erstattung Die Gebühr für Umtausch und Erstattung erhöht sich von 15 auf 17,50 Euro. Die Möglichkeiten zum Umtausch oder zur Erstattung hängen vom jeweiligen Ticket ab.