Wettbewerb

Das Kreuz mit der Konkurrenz

Staatliche und private Lottoanbieter streiten, Leidtragende könnten die Kunden sein

Zwölf rote Felder auf weißem Grund, akkurate Zahlenreihen. Jeweils sechs Kreuze gemacht: Millionen Deutsche spielen Lotto. Anders als früher spielen sie bequem von daheim aus, ihre Webseiten heißen lottohelden.de, lotto24.de und jumbolotto.de. Zusätzlich gibt es Apps wie Jackpotwarner oder praktische Helfer, die das Spielen via Smartphone ermöglichen. Doch damit könnte es bald schon wieder vorbei sein. Private Lottovermittler haben viele dieser Neuerungen eingeführt, und nun sehen sie sich vom staatlichen Deutschen Lotto- und Totoblock (DLTB) in die Enge getrieben. Es gibt Krach um endlose Lizenzvergaben und gekürzte Provisionen. Die privaten Anbieter wenden sich an die Behörden und wollen Hilfe.

Grundsätzlich dürfen private Firmen seit der Änderung des Glücksspielstaatsvertrags im Jahr 2012 im lukrativen Lottogeschäft mitmischen. Zuvor besaß die Vereinigung der Lottogesellschaften der Länder das Monopol auf das Glücksspiel. Seither erhalten die Privaten für jeden vermittelten Spielschein eine Provision vom DLTB. Es geht um viel Geld: Der Gesamtumsatz des DLTB-Spielangebots lag 2013 bei mehr als sieben Milliarden Euro, ein Großteil davon entfällt auf Lotto. Fast 30 Millionen Menschen nehmen regelmäßig an staatlichen Glücksspielen teil.

Kein Wunder, dass die staatlichen Einrichtungen auch zwei Jahre nach der Reform ihre Vormachtstellung zu verteidigen versuchen. Das können sie beispielsweise über die Lizenzvergabe. Denn Lotto im Internet darf nur anbieten, wer staatlich geprüft wurde. So hat der Staat einerseits die Aufsicht, ist aber gleichzeitig über die Lottogesellschaften selbst ein Mitbewerber. „Diese doppelte Abhängigkeit der privaten Vermittler nutzen die Länder ganz klar aus“, sagt Norman Faber, Präsident des Deutschen Lottoverbands.

Um eine Lizenz zu erhalten, müssen die Unternehmen Minderjährigen und gesperrten Spielern den Zugang verwehren sowie den Höchsteinsatz pro Online-Tipper und Monat auf 1000 Euro begrenzen. Die Erlaubnis für Private sollte es nach drei Monaten geben. Doch in dem Hilferuf von zwölf staatlich lizenzierten Lotterievermittlern werden ein „völlig intransparentes Verfahren“ und die Vergabe „nach frühestens neun Monaten“ beklagt. Weiter heißt es: „Während fast alle staatlichen Lottogesellschaften im Juli 2012 online starten durften, warten private Anbieter teilweise bis heute auf Erlaubnisse oder Ergänzungsbescheide.“

Das weist das für die Lizenzerteilung zuständige Innenministerium von Niedersachsen zurück. Eine weitere Hürde: Neben der Lizenz bedarf es auch noch einer Werbeerlaubnis, und dafür ist wiederum Nordrhein-Westfalen zuständig. Die Aufsicht über Online-Sportwetten trägt Hessen. Und als federführende Gesellschaft des Deutschen Lotto- und Totoblocks fungiert schließlich die Saarland Sporttoto GmbH – ein schier undurchschaubares Kompetenz-Wirrwarr.

Gut koordiniert ist dagegen der staatliche Internetauftritt lotto.de. Die Webseite überträgt die Lottoziehung seit 2013 exklusiv. Es gibt Links von lotto.de zu den staatlichen Landesgesellschaften, wo die Spieler tippen können. „Die staatlichen Anbieter können so gemeinsam auftreten – genau das sollte durch die Reform des Glücksspielrechts verhindert werden“, sagt Lottoverbandspräsident Faber. Die Privaten kommen bei lotto.de nicht vor. Sie fordern die Einstellung der Website.

Für die Privaten wird die Situation brenzlig. Offenbar droht bald zwei Anbietern das Aus. Nach Informationen der Morgenpost liegen Angebote ausländischer Firmen vor, die das Geschäft samt Kunden übernehmen wollen. Ausländische Firmen arbeiten aber ohne Lizenzen und bieten das sogenannte Zweitlotto an. Für den Spieler sehen die Websites der Firmen genau wie die der staatlich lizenzierten Vermittler aus, die Gewinne sind dieselben. Doch die Einsätze werden nicht weitergeleitet, das „echte“ Lotto wird bloß nachgeahmt. Folglich gibt es keine Garantie für die Auszahlung von Gewinnen, keine Vorschriften zur Suchtprävention, keine Abgaben an den Fiskus.