Kommentar

Genugtuung für Joe Kaeser

Gerhard Hegmann über die neue Siemens-Strategie

Joe Kaeser gibt beim Siemens-Umbau jetzt Geld aus. Auf der einen Seite kappt der Siemens-Chef nach rund 100 Jahren die letzten Wurzeln zum Hausgerätegeschäft und kassiert dafür drei Milliarden Euro. Auf der anderen Seite treibt er mit aller Macht den Ausbau des Öl- und Gastechnikgeschäftes in den USA voran. Mit dem Einstieg bei Dresser-Rand geht Kaeser eine Wette zur künftigen Marktentwicklung ein: Joe Kaeser ist überzeugt, dass die Abschwächung im Fracking-Boom nur vorübergehend ist. Der nächste Aufschwung bei Schiefergas und Flüssiggas komme mit Sicherheit 2016. Für Kaeser ist der US-Zukauf auch ein Triumph über seinen Vorgänger Peter Löscher. Der Ex-Siemens-Chef wollte als Verwaltungsratschef vom Schweizer Sulzer-Konzern selbst Dresser-Rand kaufen. Löscher erklärte am Montag seine Kapitulation. Eine Genugtuung für Kaeser. Er hat jüngst selbst erlebt, wie es sich anfühlt, wenn ein Ziel nicht erreicht wird – im Sommer bemühte sich Kaeser vergeblich, mit einem Gegenangebot den US-Konzern General Electric vom Einstieg beim französischen Energiekonzern Alstom auszustechen.