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Weiß zu schwarz

Bosch übernimmt Hausgerätehersteller BSH. Siemens steckt Erlös in Fracking-Ausrüster

Bosch kauft Siemens für drei Milliarden Euro dessen Anteil am gemeinsam geführten Hausgeräte-Hersteller ab. Für die rund 50.000 Beschäftigten von Bosch-Siemens-Hausgeräte (BSH) werde sich nichts ändern, versicherte Bosch-Chef Volkmar Denner am Montag. Das bislang je zur Hälfte von Bosch und Siemens geführte Unternehmen bleibe eigenständig und werde nicht umgebaut.

Mit der Übernahme steigt Bosch zu einem der großen Arbeitgeber der Region auf. Mehr als 2500 Berliner und Brandenburger stehen jetzt auf der Gehaltsliste des Technologie-Konzerns. Im BSH-Technologiezentrum in Spandau entwickeln mehr als 700 Mitarbeiter Waschmaschinen, Trockner und Waschtrockner der Zukunft. Im BSH-Produktionswerk Nauen montieren mehr als 500 Beschäftigte Waschmaschinen. In der vergangenen Woche erst hatte Bosch den Lenkungsspezialisten ZF Lenksysteme mitsamt seinen 550 Beschäftigten in Reinickendorf übernommen. Bislang arbeiteten mehr als 600 Berliner direkt für Bosch.

Umsatz soll verdoppelt werden

Siemens kehrt mit dem Ausstieg aus dem Gemeinschaftsunternehmen Konsumgütern endgültig den Rücken und stärkt sich durch eine Milliarden-Übernahme im Öl- und Gasgeschäft. Die Hausgeräte-Tochter bringe zwar „viel Geld für wenig Arbeit“ hatte Siemens-Chef Joe Kaeser gelobt. Doch Spülmaschinen oder Umluftherde gehören für ihn nicht mehr zum Kerngeschäft des Münchener Technologieriesen.

Dennoch wird auch künftig der Name Siemens auf Waschmaschinen oder Kühlschränken stehen, da das Label in Asien sehr bekannt ist, wie Uwe Raschke, Bosch-Geschäftsführer für Gebrauchsgüter, erklärte. Bosch und Siemens produzieren schon seit 1967 zusammen Hausgeräte wie Toaster, Kaffeemaschinen, Herde oder Backöfen unter ihren Markennamen.

Europas zweitgrößter Hausgeräteanbieter nach der schwedischen Electrolux verbirgt sich auch hinter Namen wie Gaggenau, Neff oder Constructa. BSH-Chef Karsten Ottenberg hat das Ziel, in den kommenden zehn Jahren den Umsatz auf 20 Milliarden Euro zu verdoppeln und die operative Rendite von fünf auf sieben Prozent zu steigern.

Intelligente Hausgeräte, die sich aus der Ferne steuern lassen oder miteinander Daten austauschen, ist ein Feld, das Bosch ausbauen will. Die Stuttgarter wollen sich unabhängiger von der stark konjunkturgetriebenen Autobranche machen, ohne ihre starke Stellung als einer der führenden Zulieferer weltweit aufzugeben. Vor einer Woche erst hatte Bosch das bisher mit ZF Friedrichshafen betriebene Gemeinschaftsunternehmen ZF Lenksysteme vollständig übernommen, was seine Position als Technik-Lieferant zum automatisierten Fahren stärkt.

Einschließlich der Zukäufe steige der Anteil des Umsatzes, der außerhalb der Kfz-Sparte erzielt wird, laut Denner von 32 auf 40 Prozent. Der Bosch-Umsatz hätte mit den beiden Töchtern, die zuletzt in die Bilanz nicht mehr eingerechnet werden durften, im vergangenen Jahr rund 60 Milliarden statt 46 Milliarden Euro betragen. „Wir wollen zwar Richtung 50 Prozent, wir werden aber im Kraftfahrzeuggebiet alle Wachstumschancen aggressiv wahrnehmen“, ergänzte er. Beide Zukäufe könne Bosch problemlos ohne Fremdmittel finanzieren angesichts einer Liquidität von 14 Milliarden Euro. Bosch zahlt Siemens drei Milliarden Euro plus eine Dividendenausschüttung von 250 Millionen Euro. Der Preis für ZF Lenksysteme wurde nicht genannt, von Experten aber auf eine halbe bis eine Milliarde Euro taxiert. Bosch verfügt damit noch immer über zehn Milliarden Euro Liquidität.

Die Initiativen zu beiden Übernahmen gingen von den Partnerunternehmen aus. Unabhängig davon hatte Denner bereits angekündigt, nach Zukäufen Ausschau zu halten. Insbesondere die Energie- und Gebäudetechnik sei hier interessant. Hausgeräte müssten einerseits wegen der alternden Gesellschaft immer einfacher zu bedienen sein. Den jüngeren Kunden sollen andererseits Dienste wie elektronische Einkaufszettel angeboten werden. Dazu arbeite Bosch zusammen mit ABB und Cisco an einem technischen Standard, damit Hausgeräte verschiedener Hersteller miteinander verbunden werden können.

Ausbau des US-Geschäfts

Siemens plant, mit dem Verkaufserlös einen Teil der Kosten für die Übernahme des US-Pumpenspezialisten Dresser-Rand zu finanzieren. Wie der Konzern in der zu Montag mitteilte, übernimmt Siemens den Öl- und Gasförder-Ausrüster für rund sechs Milliarden Euro. Siemens-Chef Kaeser sticht damit den Schweizer Konkurrenten Sulzer im letzten Moment aus. Kaeser will mit der Akquisition vom Schiefergasboom in den USA profitieren.

Lange Zeit hatten die Münchner wegen der Bewertung von Dresser-Rand mit knapp vier Milliarden Euro noch vor einem Gebot zurückgeschreckt. Angesichts der Fusionspläne von Sulzer geriet Siemens nun aber unter Zugzwang. Jetzt wird der erste große Zukauf von Kaeser als Konzernchef einer der größten in der Unternehmensgeschichte. Der Niederbayer triumphiert damit auch über seinen früheren Chef Peter Löscher, der mittlerweile den Verwaltungsrat von Sulzer führt. Dresser-Rand ergänze das bestehende Siemens-Portfolio, insbesondere für die weltweite Öl- und Gasindustrie sowie für die dezentrale Energieerzeugung, teilte Siemens mit. Der Verwaltungsrat der Amerikaner unterstütze die Bar-Offerte einstimmig und habe den Aktionären empfohlen, das Gebot anzunehmen, teilte Siemens mit.

Der Boom von Gas- und Ölfördertechnik in den USA war bislang an Siemens vorbeigegangen. Um mitzuverdienen, holte Kaeser eigens die Shell-Managerin Lisa Davis ins Haus und machte sie zur Chefin der Energiesparte mit Sitz in den USA. Von Houston aus soll sie die Aufholjagd starten. Dresser ist mit einem Jahresumsatz von gut drei Milliarden Dollar dabei eher ein mittelgroßer Baustein im Vergleich zum bestehenden Energietechnikgeschäft der Münchner. Im abgelaufenen Geschäftsjahr erwirtschaftete das Segment einen Umsatz von knapp 27 Milliarden Euro. Der Bereich ist aber trotz guter Einnahmen das Sorgenkind des Konzerns, immer wieder verliert Siemens wegen verpatzter Projekte wie dem Anschluss von Windparks in der Nordsee hunderte Millionen Euro. rtr/gri