E-Commerce

Alibaba und die 27 Partner

Anleger haben bei dem chinesischen Onlinehändler nichts zu melden

Auch nach dem Rekordbörsengang von Alibaba werden Gründer Jack Ma und ein enger Kreis an Vertrauten die Kontrolle über den chinesischen Internethandelsriesen behalten. Ungeachtet der Aktienverteilung können auch künftig 27 Führungskräfte – die „Alibaba-Partnerschaft“ – eine Mehrheit der Verwaltungsratsmitglieder nominieren und so wichtige Entscheidungen treffen. Wegen dieser Konzernstruktur lehnte die Hongkonger Börse Alibaba ab. Stattdessen geht das Unternehmen heute in New York an die Börse.

Die Konzernführung verteidigt die Regelung als Weg, ihre innovative Kultur in einer sich schnell entwickelnden Industrie zu erhalten und die Abhängigkeit von den Launen der Märkte zu reduzieren. Andere Technologiefirmen sehen das ähnlich. Die Gründer von Facebook oder Google wollten sich durch den Börsengang ebenfalls nicht die Kontrolle über ihre Unternehmen entziehen lassen. Um das zu garantieren, werden an sie oft Aktien mit mehr Stimmrechten als für andere Teilhaber ausgegeben.

Experten zufolge könnten sich Konzerninsider allerdings so auf Kosten anderer Aktionäre bereichern. Im Falle von Alibaba betrachten einige die Struktur sogar als Abbild der autoritären chinesischen Politik. Firmengründer Ma und ein innerer Kreis aus vier weiteren Führungskräften will ab und zu neue Partner in das erlesene Gremium aufnehmen.

Der 49-jährige Ma könne durch die Struktur die Kontrolle bewahren, obwohl er und der Vizevorsitzende Joe Tsai über weit weniger Anteile verfügen als die japanische Softbank mit 34,1 Prozent und Yahoo mit 22,4, sagt Zhang Tianyu, ein Experte für Unternehmensführung an der Chinese University of Hong Kong. Ma hält 8,8 Prozent und Tsai 3,6 Prozent. Ma, ein ehemaliger Englischlehrer, gründete Alibaba 1999 in seiner Wohnung in Hangzhou. Jetzt verkauft es auf seinen Onlineplattformen nach eigenen Angaben mehr als Amazon und eBay zusammen und hat 22.000 Angestellte. In den vergangenen Jahren erschloss sich Alibaba neue Branchen. Bevor Ma 2013 als Vorstandsvorsitzender zurücktrat und den Posten des Verwaltungsratschefs übernahm, teilte er die sieben Unternehmenssparten in 25 kleinere Abteilungen auf, damit diese – so Ma – effektiver auf Veränderung im Markt reagieren können. Die Partnerschaftsstruktur soll eine solche Mobilität auch auf Dauer garantieren.

Dafür ließ Ma auch die ursprünglich geplante Notierung an der Börse in Hongkong platzen. Als die dortige Börsenaufsicht monierte, alle Aktionäre sollten bei Unternehmensentscheidung ein Mitspracherecht gemäß ihrer Anteile haben, orientierte sich Ma stattdessen in Richtung der US-Märkte. Dort sind die Verwendung unterschiedlicher Klassen von Aktien und andere Taktiken erlaubt, die einigen Aktionären mehr Stimmrechte einräumen als anderen.

Von dem Börsengang profitieren wird eine illustre Mischung von Anlegern, die bereits vor dem IPO Anteile erwerben durfte. Medienberichten zufolge gehören dazu ein Fonds unter Leitung von Jiang Zhicheng, dem Enkel von Chinas Ex-Präsidenten Jiang Zemin, und andere gut vernetzte Chinesen.

Dadurch könnte es für Ma leichter werden, Lizenzen für die Finanzbranche und andere Sektoren zu bekommen, sagt Experte Zhang. „Das ist ein weiterer potenzieller Nutzen für Ma: Er hat gute Regierungsverbindungen.“