Übernahme

Berliner Lenkspezialisten gehören jetzt zu Bosch

Technologiekonzern übernimmt ZF Lenksysteme. Keine Einsparungen geplant

Der Autozulieferer ZF Friedrichshafen hat seine Hälfte an der Lenksysteme-Tochter an Bosch abgegeben und damit den Weg für die Übernahme des US-Zulieferers TRW Automotive freigemacht. ZF Friedrichshafen und Bosch hätten einen Vertrag zur Übernahme des Gemeinschaftsunternehmens durch Bosch unterzeichnet, teilten die Konzerne mit. Über den Kaufpreis für ZF Lenksysteme (ZFLS) sei Stillschweigen vereinbart worden. ZFLS erzielt einen Umsatz von vier Milliarden Euro und beschäftigt 13.000 Mitarbeiter. Im Berliner Werk in Reinickendorf arbeiten 565 Beschäftigte.

Mit der Trennung von ZFLS hatte ZF vorsorglich kartellrechtliche Hürden aus dem Weg geräumt. ZF Friedrichshafen übernimmt den US-Autozulieferer TRW für 13,5 Milliarden Dollar, um sich für neue Trends wie das automatisierte Fahren mehr Kompetenz ins Haus zu holen. TRW konkurriert zum Teil mit ZF Lenksysteme, so dass mit beiden Firmen unter einem Dach den Wettbewerbshütern die Marktstellung wohl zu stark wäre.

Zu den Gründen des Verkaufs erklärte der Vorstandschef von ZF Friedrichshafen, Stefan Sommer, dieser sei wegen der Anforderungen des immer dynamischeren Marktumfeldes notwendig. Der Automotive-Chef von Bosch, Wolf-Henning Scheider, sagte, die beiden Eigentümer hätten schon lange über diesen Schritt gesprochen. Bosch und ZF Friedrichshafen hatten die Lenksystem-Tochter, die ihnen je zur Hälfte gehört, 1999 gegründet. Der Getriebehersteller ZF brachte die Lenktechnik ein, Bosch die Elektronik.

Für Bosch wie für ZF Friedrichshafen ist der wachsende Einsatz von Software und Internet in der Automobiltechnik ein strategisch wichtiges Feld. „Der Schwerpunkt von ZF Lenksysteme ist die Vernetzung, und Lösungen für das vernetzte Leben sind strategisches Ziel von Bosch“, sagte Bosch-Chef Volkmar Denner. ZFLS sei ein Pionier bei Elektromotoren, die für automatisiertes Fahren gebraucht werden. So habe das Unternehmen das Rangieren von Pkw und Anhänger per Smartphone zur Serienreife entwickelt. Bosch will auch in der Haustechnik Produkte wie Überwachungs- und Steuersysteme entwickeln. Die Stuttgarter sprechen mit Siemens über die Übernahme des Gemeinschaftsunternehmens Bosch-Siemens-Hausgeräte, das die Münchener abgeben wollen.

Die Übernahme der ZFLS soll bis Frühjahr nächsten Jahres unter Dach und Fach sein, vorausgesetzt, die Kartellbehörden stimmen zu. An der Strategie und der Struktur des an 20 Standorten weltweit tätigen Unternehmens werde sich nichts ändern. Da es keine Überlappungen mit Bosch gebe, sei kein Arbeitsplatzabbau geplant, erklärte Scheider. In Deutschland arbeitet etwa die Hälfte der 13.000 Mitarbeiter starken Belegschaft. Nur der Name werde sich wohl ändern und „Bosch“ das „ZF“ ersetzen.

Bei der Fusion von ZF Friedrichshafen mit TRW wird ein Autozulieferer entstehen, der kaum noch kleiner als der Weltmarktführer Bosch ist. TRW mit Sitz in Livonia im US-Bundesstaat Michigan beliefert mehr als 40 große Automobilhersteller und setzte im vergangenen Jahr 17,4 Milliarden Dollar um. In Deutschland beschäftigt TRW gut 10.000 Mitarbeiter. Der US-Konzern bietet unter anderem Video- und Radarsysteme an, die halb-autonomes Fahren ermöglichen sollen. Die Unternehmensgruppe stellt außerdem Produkte zur Fahrzeugsicherheit her. Die Übernahme soll in der ersten Jahreshälfte 2015 abgeschlossen werden. TRW werde danach als separater Geschäftsbereich im ZF-Konzern geführt.

ZF Friedrichshafen ist der weltweit größte unabhängige Getriebehersteller und ist wie Bosch im Besitz einer Stiftung. Der Konzern setzte mit seinen mehr als 72.000 Mitarbeitern im vergangenen Jahr 16,8 Milliarden Euro um und erzielte einen Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von 1,7 Milliarden Euro. Das Unternehmen beschäftigt in seinem Werk in Brandenburg an der Havel mehr als 1200 Menschen.