Altersvorsorge

Der nächste Zinsschock droht den Riester-Sparern

Experten empfehlen gerne Banksparpläne mit staatlicher Förderung. Doch die Zinsen nähern sich bedenklich der Null-Linie

Riester-Banksparpläne gelten seit Jahren als die stillen Stars unter den Altersvorsorge-Produkten. Wer monatlich oder vierteljährlich einen festen Betrag auf ein Konto bei seiner Bank einzahlt, der kommt deutlich günstiger an die staatliche Förderung, als wenn er das Geld einer Versicherung oder Fondsgesellschaft überlässt. Noch dazu ist bei einem Banksparplan die Höhe der Zinsen klar geregelt. Keine Bank kann willkürlich festlegen, wie viel sie dem Sparer gutschreibt. Sie muss sich an einem Referenzzins der Kapitalmärkte orientieren.

Genau dieser Mechanismus versetzt Sparplan-Inhabern nun allerdings den nächsten Zinsschock. Dass ein Sparbuch oder Tagesgeldkonto fast nichts mehr abwirft, dürfte sich nach den vielen Zinssenkungen der Europäische Zentralbank herumgesprochen haben. Dass aber auch der auf Jahrzehnte angelegte Riester-Banksparplan derzeit kaum etwas bringt, dürfte für viele Kunden neu sein.

Seit einem Urteil des Bundesgerichtshofs aus dem Jahr 2004 muss im Vertrag ein Referenzzins angegeben werden. Viele Institute haben sich für die Umlaufrendite entschieden. Sie bildet die Rendite von Bundesanleihen mit unterschiedlicher Laufzeit ab, wird börsentäglich festgelegt, jeder kann sie im Internet nachschauen. Doch während die Umlaufrendite bei Einführung der Riester-Rente vor zwölf Jahren noch bei fünf Prozent lag, fiel sie vor zwei Monaten erstmals unter ein Prozent. Und seitdem ging es weiter abwärts: Aktuell weist die Bundesbank lediglich noch eine Umlaufrendite von 0,8 Prozent pro Jahr aus.

Eigentlich schon im Minus-Bereich

Das ist bereits wenig, aber noch nicht das, was beim Kunde tatsächlich ankommt. Die vor allem regionalen Anbieter mögen wenig an diesen Sparplänen verdienen – weshalb Deutsche Bank, Commerzbank & Co. sie gar nicht erst anbieten –, doch ganz auf eine Marge wollen sie nicht verzichten. Zwischen 0,5 und 1,0 Prozentpunkten behalten sie für sich ein. Die Zahlen führen zu einem ernüchternden Ergebnis: Ein Zins von 0,8 Prozent abzüglich Kosten von 1,0 Prozent ergibt ein Minus von 0,2 Prozent. Das heißt nichts anders, als dass ein Sparer der Bank noch etwas dafür zahlen muss, damit er sein Geld langfristig bei ihr anlegen darf.

Die gute Nachricht: Soweit lassen es die Banken bislang nicht kommen. Sie verzichten bis dato lieber auf Geld, bevor sie tatsächlich einen Minuszins ausweisen. Nun ist eine Marge von einem Prozent üppig, der Schmerz dieser Institute dürfte sich in Grenzen halten. Doch auch Banken, die sich eine niedrigere Marge eingeräumt haben, wollen künftig zumindest einen Anstandszins ausweisen.

Die Zinszone unterhalb der Nulllinie gilt in der Branche offenbar als Tabu: Bei der Ethikbank, die nach Abzug von Kosten in Höhe von 0,75 Prozent derzeit noch 0,1 Prozent Zins pro Jahr zahlt, will man daran keinen Zweifel lassen. „Wenn die Umlaufrendite unter 0,75 Prozent sinkt, wird die Untergrenze ganz klar bei 0,00 Prozent liegen“, so VorstandschefKlaus Euler.

Die niedrigen Zinszahlen mögen Kunden schocken, gänzlich abschrecken lassen sollten sich sich nicht. „Für risikoscheue Anleger kann der Banksparplan trotzdem das richtige Produkt sein“, sagt Annabel Oelmann, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale. Genau genommen ist die Rendite bei einigen Anbietern zwar bereits negativ – nach Abzug der Inflation. Doch je nach Laufzeit des Vertrages kommt die staatliche Förderung in Höhe von 154 Euro pro Jahr hinzu plus 300 Euro für jedes ab 2008 geborene Kind und 185 Euro für jedes ältere. Gutverdiener profitieren eher von den Steuerersparnissen als den Zulagen.

Zuversicht für junge Sparer

Riester-Banksparpläne werden gerne älteren Menschen empfohlen, die nur noch zehn oder 15 Jahre bis zur Rente haben. Für jüngere Menschen, die am Beginn ihrer Berufslaufbahn stehen, gilt dagegen, sich von den Zulagen nicht übermäßig beeinflussen zu lassen. Denn je länger der Vertrag läuft und je mehr ein Sparer bereits eingezahlt hat, desto weniger fällt die staatliche Förderung ins Gewicht – desto negativer wirkt sich eine niedrige Grundverzinsung aus.

Grundsätzlich können die Kapitalmarktzinsen in ein paar Jahren wieder höher sein. Dann greift der Mechanismus des Riester-Banksparplan zugunsten des Kunden. Steigt der Referenzzins, dann steigt auch der Sparplanzins – gerade bei den Produkten, die an die Umlaufrendite gekoppelt sind, ist das einfach.