Verkehr

Bahn will ICE-Preise stabil halten

Konzern reagiert auf die wachsende Konkurrenz durch Fernbusanbieter

Erstmals seit Jahren werden Fahrkarten in ICE, Intercity und Eurocity in diesem Winter voraussichtlich nicht wesentlich teurer. „Im Fernverkehr bleiben die Preise für die große Mehrheit unserer Kunden stabil“, sagte Bahnchef Rüdiger Grube der „Bild“-Zeitung. Er sagte nicht, was das konkret bedeutet und wie stark gleichzeitig die Preise im Regionalverkehr steigen, wo die Bahn etwa 14-mal so viele Reisende zählt wie im Fernverkehr. Die Bahn werde die neuen Preise am 29. September vorstellen, sagte ein Sprecher. In Kraft treten sie zum Fahrplanwechsel Mitte Dezember.

Grund für die stabilen Preise ist offenbar die wachsende Konkurrenz durch die Fernbusse. Die sind zwar häufig langsamer, aber meistens kommen die Kunden zu deutlich niedrigeren Fahrpreisen ans Ziel. Im Juli, als der Staatskonzern seine Halbjahreszahlen präsentierte, hatte Grube eingeräumt, dass der Bahn durch die Fernbusse ein Umsatz von rund 50 Millionen Euro verloren gegangen sei. Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg gab zu, die neue Konkurrenz unterschätzt zu haben. Um mit den Wettbewerbern auf der Straße mitzuhalten, bietet die Bahn mittlerweile auch billige Spartickets direkt auf Vergleichsportalen für Fernbusbetreiber an. Einen Preiskampf mit den Fernbussen schloss Grube aber aus. Er sagte, die Fernbusbetreiber machten sich mit immer neuen Angeboten Konkurrenz. „Doch damit verdient keiner Geld.“

Busunternehmer dürfen seit 2013 Fernstrecken bedienen. Mittlerweile sind 40 Unternehmen aktiv, die aktuell knapp 170 Verbindungen anbieten und der Bahn Kunden abwerben. Größter Anbieter ist das Berliner Start-up MeinFernbus.de, gefolgt von der Daimler-Beteiligung Flixbus aus München und dem bahneigenen Unternehmen Berlin Linien Bus. 2013 waren Schätzungen zufolge bereits rund neun Millionen Reisende im Fernbus unterwegs. Im Bahn-Fernverkehr waren es 131 Millionen Passagiere.

Der Bahn-Chef kündigte an, das Buchungssystem zu ändern und bestimmte Zuschläge abzuschaffen. „Wir wollen unser Buchungssystem vereinfachen: Zuschläge, zum Beispiel beim Sparpreis, gibt es nicht mehr.“ Es gelte, wer „beim Reisetag flexibel ist, bekommt den günstigsten Fahrpreis“. Die Bahn-Fahrpreise waren in den vergangenen Jahren unterm Strich regelmäßig stärker gestiegen als die Teuerungsrate, was meistens mit höheren Energie- und Personalkosten begründet wurde. Schon 2013 aber erhöhte der Konzern im Fernverkehr mit einem Zuschlag von 1,3 Prozent schwächer als im Regionalverkehr, wo Fahrkarten 2,9 Prozent teurer wurden.

Kurz nach dem Einläuten der diesjährigen Preisrunde Ende September sind wieder Streiks möglich. Die Mitglieder der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) sind zu einer Urabstimmung darüber aufgerufen, die Stimmen sollen am 2. Oktober gezählt werden. Die rivalisierende Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) kritisierte das Vorgehen. GDL-Chef Claus Weselsky gieße Wasser auf die Mühlen derer, die das Streikrecht einschränken wollten, sagte EVG-Chef Alexander Kirchner der „Rheinischen Post“.

Der Fahrgastverband Pro Bahn kritisierte die beiden Warnstreiks in der vergangenen Woche. „Die Streiks der Lokführer sind besonders heftig und werden sehr kurzfristig angekündigt“, sagte der Ehrenvorsitzende des Verbandes, Karl-Peter Naumann, der „Nordwest-Zeitung“. Sicherlich hätten die Lokführer ein Recht, Tarifverhandlungen zu führen und auch zu streiken. „Die Lokführer haben aber nicht alles getan, um einen Streik zu vermeiden.“