Arbeitskampf

Streikende Lokführer legen Zugverkehr bundesweit lahm

Ein erneuter Warnstreik der Lokführer der Deutschen Bahn hat den Zugverkehr am Sonnabend in weiten Teilen Deutschlands lahmgelegt.

Der Ausstand dauerte von sechs bis neun Uhr. Betroffen waren Regional- und Fernzüge, die S-Bahnen in Berlin und Hamburg sowie der Güterverkehr, sagte Claus Weselsky, Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), in Berlin. Wie die Bahn mitteilte, lagen die Schwerpunkte des Streiks im Norden Deutschlands, in Berlin, in der Region Leipzig sowie punktuell in Nordrhein-Westfalen und Bayern.

Einige Reisende mussten stundenlange Verspätungen in Kauf nehmen, mehrere Züge fielen komplett aus. Bei den Fernzügen waren die Auswirkungen noch den ganzen Tag zu spüren, sagte Bahn-Konzernsprecher Achim Stauß. Dies liege daran, dass abgestellte Züge erst wieder in den normalen Betriebsablauf integriert werden müssten. Die Auswirkungen der Streiks seien deutlich spürbar, sagte Stauß. Ein Chaos sei aber nicht entstanden, da kaum Berufspendler unterwegs waren.

Die Bahn versuchte nach eigenen Angaben zum Teil mit Schienenersatzverkehr mit Bussen die Auswirkungen für die Reisenden abzumildern. Das Servicepersonal sei zudem verstärkt worden. Konnte die Reise nicht wie geplant angetreten werden, können Fahrgäste ihre Fahrkarten und Reservierungen kostenlos erstattet bekommen. Auch erlaubte die Bahn den Reisenden, ersatzweise teurere Zugverbindungen zu nutzen.

Nach Angaben eines GDL-Sprechers waren von dem Streik 90 bis 95 Prozent aller Züge betroffen. Zur Arbeitsniederlegung waren Lok- und Rangierführer sowie Zugbegleiter aufgerufen. Auch Urlauber, die sich zum Ende der Schulferien in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland auf Rückreise befanden, mussten sich in Geduld üben.

Bei der Berliner S-Bahn fuhren nur noch einzelne Züge auf Teilstrecken. Im Hauptbahnhof der Hauptstadt bildeten sich Menschentrauben auch auf den Bahnsteigen. Sämtliche Zugverbindungen auf der elektronischen Anzeigentafel waren in Berlin mit meist mehrstündiger Verspätung angezeigt. Betroffen waren beispielsweise Reisende, die um 6.46 Uhr einen Zug nach Budapest nehmen wollten, der jedoch erst drei Stunden später einfuhr. Der Zug war am Ende überfüllt, da er auch von weiteren Reisenden etwa in Richtung Dresden genutzt wurde. Vor den Informationsschaltern am Hamburger Hauptbahnhof bildeten sich Menschenschlangen. In Hamburg fuhren die S-Bahnen nach Angaben der GDL nur im 20-Minuten-Takt.

Bahnkunden müssen nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Focus“ in den nächsten Wochen mit unbefristeten Streiks rechnen. Die GDL werde voraussichtlich diese Woche entscheiden, eine Urabstimmung über reguläre Streiks abzuhalten. GDL-Sprecher Stefan Mousiol sagte demnach: „Eine Urabstimmung wird zeitnah durchgeführt.“

Bei der Lufthansa lief der Flugbetrieb am Sonnabendmorgen hingegen wieder planmäßig an. Ausgenommen davon seien allerdings Verbindungen, die von einem Streik der italienischen Fluglotsen betroffen seien, sagte ein Lufthansa-Sprecher. Dabei handele es sich um 20 Flüge. Die Lufthansa-Piloten waren am Freitagabend ebenfalls in den Streik getreten – für sechs Stunden.