Banken

Zinssenkung trifft Deutschlands Sparer

EZB senkt Leitzins auf nur noch 0,05 Prozent. Die wichtigsten Fragen und Antworten

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins im Euro-Raum überraschend von 0,15 auf 0,05 Prozent. Für Marcel Fratzscher, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin ist das eine schlechte Nachricht für die deutsche und europäische Wirtschaft. Sie zeige, „dass die EZB sehr viel pessimistischere Erwartungen für Wachstum und Deflation hat, als von vielen befürchtet.“ Als Deflation bezeichnen Fachleute Phasen sinkender Preise und Lebenshaltungskosten. Meist halten sich Investoren und Käufer in solchen Zeiten zurück, weil sie mit weiter sinkenden Preisen rechnen. Die Wirtschaft wird dadurch gebremst. Sparer müssen jetzt mit weiter sinkenden Zinsen rechnen.

Können Sparer noch eine sichere Rendite erzielen?

Es wird schwerer, mit Zinsprodukten eine gute Rendite zu erzielen. Zwar geben Geldinstitute eine Leitzinssenkung in der Regel erst mit einigen Wochen Verzögerung an die Kunden weiter, aber die Sparzinsen etwa auf Tagesgeldkonten sind bereits jetzt sehr niedrig. Der FMH-Finanzberatung zufolge zahlen einige Institute für Einlagen auf Sparbüchern bereits jetzt 0,05 Prozent. Bei Tagesgeldkonten schwanken die Zinssätze demnach zwischen 0,8 und 1,4 Prozent. Unter Berücksichtigung der Inflationsrate von derzeit 0,8 Prozent verlieren Sparer bei manchen Angeboten sogar Geld.

Sollten Anleger jetzt sofort handeln?

In Panik muss niemand verfallen. Aber: „Wer Rendite erwirtschaften will, sollte etwas Mut beweisen“, rät Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Statt auf vermeintlich sichere Zinsprodukte zu setzen, könnten Anleger in Aktien investieren. Viele Anleger mieden diese Wertpapiere aus Angst vor Kursverlusten. Solche Verluste könnten auf längere Sicht oft ausgeglichen werden. Ein Beispiel: Angenommen, ein Anleger investierte 2010 in den deutschen Aktienindex Dax. Verkaufte er die Wertpapiere Ende 2011 wieder, machte er nach Berechnungen des Deutschen Aktieninstituts (DAI) einen Verlust von 14,7 Prozent. Verkaufte er die Aktien hingegen Ende 2012, lag seine jährliche Rendite schon wieder bei 4,9 Prozent. Hält der Anleger die Aktien immer noch, liegt seine jährliche Rendite inzwischen bei 9,2 Prozent.

Was bedeutet die Zinssenkung für Kapital-Lebensversicherungen?

Das niedrige Zinsniveau macht es auch Versicherern immer schwerer, Rendite zu erwirtschaften. Aus diesem Grund wurde unter anderem der Garantiezins zum 1. Januar 2015 für Neuverträge von 1,75 auf 1,25 Prozent gesenkt. Außerdem wurden die Regelungen zur Beteiligung an den Bewertungsreserven geändert, um die Unternehmen zu entlasten. Oelmann ist sich nicht sicher, ob diese Maßnahmen jetzt noch ausreichend sind. Kunden sollten daher gut abwägen, ob sie zur Altersvorsorge eine Lebensversicherung abschließen wollen. Für die, die bereits eine Lebensversicherung haben, ändert sich durch die Zinssenkung der EZB zunächst einmal nichts.

Sinken jetzt die Zinsen bei Krediten?

Wer ein Haus oder eine Wohnung gekauft hat, kann sich etwas entspannen. „Das Zinsniveau wird vorerst so niedrig bleiben“, sagt Oelmann. Wer eine Anschlussfinanzierung braucht, kann in Ruhe suchen, ebenso jemand, der eine Finanzierung sucht. Doch Vorsicht: „Bei niedrigen Zinsen besteht die Gefahr, dass sich viele übernehmen“, warnt die Verbraucherschützerin. Denn wenn die Zinsen später steigen, wird die Anschlussfinanzierung teurer als gedacht. Käufer sollten lieber eine höhere Tilgungsrate vereinbaren. Etwas anders ist die Lage bei Ratenkrediten. „Diese Darlehen sind in der Regel von der Bonität der Kunden abhängig“, erklärt Oelmann. Daher könne hier nicht automatisch mit sinkenden Zinssätzen gerechnet werden, wenn der Leitzins sinke.