Fluggesellschaften

Flugzeuge im Bauch

Joachim Hunold hat Air Berlin einst groß gemacht – und auch zum Sanierungsfall

Es gibt immer weniger Menschen, die es wissen: Joachim Hunold ist nicht der Gründer von Air Berlin. Aber die Airline ist sein Lebenswerk. Der Sohn eines Kosmetikvertreters jagte den Amerikanern nach dem Fall der Mauer die Lufthoheit über Berlin ab und übernahm deren kleine Fluglinie. Hunold machte die Air Berlin zur deutschen Nummer zwei nach Lufthansa – mit allen Schwierigkeiten, die damit verbunden sind.

Am heutigen Freitag wird Hunold 65 Jahre alt. Damit erreicht einer das Rentenalter, der schwer als Ruheständler vorstellbar ist: Für einen Rheinländer etwas zu schneidig-zackig, wie Beobachter meinen, hemdsärmelig, direkt, einer, der die Dinge anpackt. Air Berlin, bei der er mit 15 Flügen am Tag loslegte, baute er aus durch Zukäufe – darunter sein alter Arbeitgeber LTU. Joachim Hunold war Air Berlin. „Flugzeuge im Bauch, im Blut Kerosin“ – die Botschaft aus einem früheren Werbelied des Unternehmens schien der Chef durch alle Höhen und Tiefen zu verkörpern.

Doch nach Jahren mit roten Zahlen trauten viele Anleger dem Manager nicht mehr, der von sich behauptete: „Ich habe noch nie etwas gemacht, von dem ich nicht überzeugt war, dass es Hand und Fuß hat.“ 2011 warf Hunold hin – drei Jahre vor Vertragsende. „Es muss auch eine Zeit nach mir geben“, sagte er, und gab ab an Hartmut Mehdorn, der inzwischen versucht, den Hauptstadtflughafen fertigzustellen. Hunold sitzt noch im Verwaltungsrat der Airline. „Mir liegt das Unternehmen am Herzen“, sagt er. Doch zur aktuellen Lage will er sich auf Anfrage nicht äußern. Das Unternehmen schreibt rote Zahlen, die Sparprogramme greifen, helfen aber nicht. Der jetzige Firmenchef Wolfgang Prock-Schauer plant die grundlegende Sanierung der angeschlagenen Fluggesellschaft. 2016, so das Versprechen, sollen wieder Gewinne fließen.

Bislang war nicht zu hören, dass Hunold dem neuen Chef übermäßig hineinredet. Mehr Einfluss dürfte der von Mehdorn an Bord geholte arabische Großaktionär Etihad auf den Österreicher Prock-Schauer haben, der sich mit seiner ruhigen, bedächtigen Art deutlich vom früheren Patriarchen unterscheidet. Der vierfache Vater Hunold ist ein Mann, der die Offensive liebt, klare Worte und die Rolling Stones. Hunold trägt den Karnevalsorden „Wider den tierischen Ernst“, und es konnte vorkommen, dass das CDU-Mitglied im Bordmagazin seiner Airline bissige politische Kommentare schrieb. Sein Jurastudium hatte Hunold abgebrochen, stattdessen kellnerte er in der Düsseldorfer Altstadt, verdingte sich als Bühnenarbeiter für Marius Müller-Westernhagen. Er arbeitete am Flughafen, wechselte zum Ferienflieger LTU, wo er schnell aufstieg.

Gewerkschafter waren auf Hunold nie gut zu sprechen. Lange hielt er Betriebsräte aus dem Konzern heraus und lehnte Tarifverträge ab. Eine Gehaltserhöhung konnte er auch mal auf der Weihnachtsfeier verkünden - und den Jubel der Beschäftigten genießen. Auf Tarifverträge ließ er sich erst nach dem Börsengang 2006 ein.

Und heute? Golf, Tennis und ein Haus auf Sylt füllen Hunold nicht aus. Mit seinem Fonds Rantum Capital unterstützt der Selfmade-Millionär Mittelständler.