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Berliner Analyse-Institut Scope greift Ratingagenturen an

Die Berliner Ratingagentur Scope hat einen neuen Chef: Torsten Hinrichs, 15 Jahre Deutschland-Chef des Konkurrenten Standard & Poor's (S&P) übernimmt ab sofort das Ruder.

Unternehmensgründer Florian Schoeller wechselt an die Spitze des Aufsichtsrates. Hinrichs will Scope zu einer „echten“ Alternative zu den großen angelsächsischen Ratingagenturen ausbauen. „Wir bieten den europäischen Blickwinkel über alle Anlageklassen hinweg“, sagte der 55-Jährige.

Scope mit etwa 60 Mitarbeitern bewertet derzeit Banken, Unternehmen, strukturierte Finanzprodukte und Fonds. Mittelfristig soll noch ein Dutzend Leute dazu kommen. Hinrichs will Experten mit „Rating-DNA“ von den großen Rivalen abwerben. Zuletzt konnte beispielsweise Sam Theodore gewonnen werden, der bei Moody’s das Bankenteam führte. Scope wurde 2002 gegründet und sitzt in Berlin. Für die nun ausgerufene Wachstumsoffensive sollen nicht nur die Einnahmen aus dem laufenden Geschäft verwendet werden. Die Ratingagentur bastelt derzeit auch an einer Kapitalerhöhung.

Das Geschäft wird bislang von den drei US-Agenturen Standard & Poor’s (S&P), Moody’s und Fitch dominiert. Ratingagenturen prüfen, wie kreditwürdig Herausgeber von Wertpapieren sind, etwa Banken, Unternehmen und Staaten. Das Rating drückt sich in Bonitätsstufen aus, von sehr guten wie AAA zu schlechten wie Caa3. Wer schlecht abschneidet, hat es schwer, sich am Kapitalmarkt Geld zu beschaffen. In der Finanzkrise wurde den profitorientierten Agenturen vorgeworfen, gute Noten für Ramschpapiere vergeben und durch Herabstufung von Staaten die Krise verschärft zu haben. Der Versuch der EU, eine eigene Ratingagentur zu gründen, scheiterte zunächst. Allerdings können Anleger die Agenturen in Europa seit 2013 für Bewertungsfehler haftbar machen.