Gründerzeit

Die Macht der Bilder – und der Musik

Jürgen Stüber über die Fotoplattform Shutterstock, deren Sammlung mehr als 40 Millionen Bilder umfasst, und ihren Flirt mit dem Audiodienst SoundCloud

Wenn das Thema auf Berlin kommt, gerät Wyatt Jenkins ins Schwärmen. „Hier hatte ich meine besten Jahre als DJ“, sagt er. Das war in der Ära des Techno. Inzwischen ist Jenkins Produktchef bei der Mediendatenbank Shutterstock in New York. Und da hat er auch wieder eine Menge mit Musik zu tun – und mit Berlin. Shutterstock ist im Juni 2014 in den Musikmarkt eingestiegen. Bis dahin galt das Unternehmen als einer der führenden Anbieter von digitalem Bildmaterial. Die Sammlung umfasst mehr als 40 Millionen Bilder und fast zwei Millionen Videos. 400 Millionen Bilder wurden in den elf Jahren seit der Gründung bereits verkauft. Rechnerisch sind das derzeit vier Bilder pro Sekunde. Der Fokus des Unternehmens liegt auf Geschäftskunden.

Weil das Videogeschäft so rasant wuchs, entschied sich Shutterstock, auch Musik mit ins Portfolio zu nehmen. „Jeder Videoproduzent braucht Sound“, sagt Jenkins. Mehr als 60.000 Tracks seien das bislang. Sie werden über die Internetplattform Rumblefish lizenziert. In den nächsten Monaten wird die Sammlung um Songs und Soundeffekte von unabhängigen Künstlern, Labels und Verlagen erweitert. „Das dauert nicht mehr lange“, sagt Jenkins. Künstler können dann ihre Musik auf der Plattform einreichen. „Wir wollen eine neue Einnahmequelle für Musiker werden.“

60.000 Künstler aus 100 Ländern weltweit arbeiten mit Shutterstock zusammen. Das Unternehmen hat eine Million zahlende Kunden in 150 Ländern weltweit. Gründer Jon Oringer gilt laut Forbes als der erste Tech-Milliardär aus New York. Deutschland ist für Shutterstock der zweitgrößte Markt nach Großbritannien. 70 Prozent der Einnahmen stammen von außerhalb der USA, 40 Prozent aus der Europäischen Union.

Dabei spielt Berlin eine wichtige Rolle. Hier hat das Unternehmen vor einigen Monaten ein Büro eröffnet. „Berlin ist ein Design-Hub“, sagt Jenkins. „Hier findet man aber auch die besten Ingenieure“, sagt er. „Und viele der Künstler, die mit Shutterstock kooperieren, leben hier.“

Jenkins wird Berlin zur Music Week in dieser Woche besuchen und dort Thom Cummings von SoundCloud zu einem Podiumsgespräch über die neuesten Entwicklungen in ihren Unternehmen treffen. Ob es in Zukunft eine Zusammenarbeit mit SoundCloud geben könnte? Möglich sei das, sagte er. „Wir sind Freunde“, war sein knapper Kommentar dazu.

Ferner hat Shutterstock die Designausstellung „Analog Mensch Digital“ (6.–15. September) in Berlin initiiert, die in Zusammenarbeit mit zehn wegweisenden deutschen Designstudios realisiert wurde.

Jenkins begann 1993 im Alter von 17 Jahren Musik aufzulegen. Zehn Jahre später stieß er als Partner zu Beatport, einem Onlineshop für DJs in Denver (US-Bundesstaat Colorado). Dort lernte er, ein Start-up aufzubauen. Beatport eröffnete Büros in Los Angeles und beim DJ-Ausstatter Native Instruments in Berlin-Kreuzberg. Jenkins wurde Chief of Operations und 2007 Forschungschef. 2009 wechselte er dann zu Shutterstock.

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