Ratgeber

Flugtickets können auch storniert werden

Welche Rechte Germanwings-Reisende haben, deren Flug wegen des Streiks ausfallen

Die Lufthansa-Piloten erwarten kein baldiges Ende des Tarifstreits mit der Airline. „Wir stellen uns auf einen langen Arbeitskampf ein“, sagte ein Sprecher der Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit am Donnerstag. Die Lufthansa habe die Möglichkeit, neue Streiks zu vermeiden, in dem sie den Piloten entgegenkomme. Über das weitere Vorgehen werde die Gewerkschaft nach dem für Freitag geplanten Streik bei der Lufthansa-Tochter Germanwings beraten.

Die Piloten wollen am Freitag die Lufthansa-Tochter Germanwings für sechs Stunden bestreiken. Zwischen 6 und 12 Uhr fallen der Airline zufolge genau 116 von 164 Flügen aus. Die betroffenen Fluggäste hätten die Möglichkeit, auf die Bahn auszuweichen. Sie können ihren Flug aber auch stornieren oder umbuchen. Flüge in die Urlaubsgebiete hingegen fänden statt. Dafür werde Germanwings etwa Flugzeuge bei anderen Airlines anmieten oder Piloten aus dem Management einsetzen. Worauf sich Betroffene nun einstellen müssen, welche Rechte sie haben und worum bei dem Konflikt überhaupt geht.

Wie erfahre ich, ob mein Flug startet?

Die Lufthansa-Tochter bat alle Fluggäste, auf www.germanwings.com den aktuellen Status ihres Fluges zu prüfen. Dort würden die neuesten Informationen regelmäßig veröffentlicht.

Wann darf ich einen Flug aufgrund eines Streiks kostenlos stornieren?

Um ihren Flug kostenlos stornieren zu können, müssen Fluggäste sich zunächst an die Airline wenden: „Sie muss Gelegenheit bekommen, eine Ersatzbeförderung zu organisieren“, erläutert der Reiserechtler Paul Degott aus Hannover. Sie ist dazu verpflichtet, diese schnellstmöglich anzubieten. Erst wenn sie das nicht tut, kommt eine kostenlose Stornierung in Betracht. „Wichtig ist jedoch, dass die Kunden diese Aufforderung belegen können, wenn sie später stornieren wollen oder auf eigene Faust eine Ersatzbeförderung organisieren.“ Daher fordern Betroffene diese am besten schriftlich ein. Kümmert sich die Airline nicht, sei das anhand eines E-Mail-Verkehrs leichter zu belegen als bei einem Telefonat. Bei einem Gespräch am Schalter kommt auch eine schriftliche Bestätigung durch die Mitarbeiter in Betracht.

Wie lange muss ich am Flughafen auf eine Ersatzbeförderung warten?

Grundsätzlich müssen Fluggäste in Kauf nehmen, dass es auch bei der Ersatzbeförderung zu einer Verzögerung kommt, so Degott. Allerdings müsse die im Verhältnis zur Flugdauer stehen. Auf ein Ende des Streiks sollten sich Flugreisende am Freitag jedenfalls nicht vertrösten lassen. Wem das Warten auf eine angekündigte, aber nicht erfolgte Ersatzbeförderung zu lang wird, kann nach einer angemessenen Frist immer noch seinen Flug stornieren. Damit ist die Airline jedoch aus allen Pflichten entlassen. Und ob die Gäste auf eigene Faust schneller oder zum gleichen Preis ans Ziel kommen, ist keineswegs sicher. Organisiert die Airline hingegen die Ersatzbeförderung, muss sie auch eventuelle Mehrkosten übernehmen.

Welche Ansprüche habe ich, wenn ich am Flughafen strande?

Die Fluggesellschaft muss gestrandete Kunden betreuen. Die Leistungen gemäß der EU-Fluggastrechteverordnung sind unabhängig davon, ob das Unternehmen für die Verspätungen oder Ausfälle von Flügen verantwortlich ist. Passagiere haben Anspruch auf Essen und Getränke, meist erhalten sie dafür Gutscheine. Verschiebt sich der Flug auf einen anderen Tag, muss die Airline die Übernachtung in einem Hotel übernehmen. Das ist für den Ausstand morgen jedoch nicht zu befürchten.

Habe ich Anspruch auf eine Entschädigung?

Normalerweise steht Reisenden bei einem Flugausfall oder massiven Verspätungen laut der EU-Fluggastrechte-Verordnung eine Ausgleichszahlung zu. Das gilt jedoch nach derzeitiger Rechtsprechung nicht, wenn höhere Gewalt vorliegt. Das ist laut Bundesgerichtshof bei Streiks grundsätzlich der Fall.

Worum geht es in dem Konflikt überhaupt?

Cockpit fordert für die 5400 Piloten mehr Geld und vor allem die Beibehaltung der betriebsinternen Frührente: Bislang konnten Piloten bei Lufthansa frühestens mit 55 Jahren in Rente gehen, für bis zu 60 Prozent der letzten Bezüge. Das Geld dafür, das bis zum Beginn der staatlichen Rente gezahlt wurde, kam aus dem Topf der Übergangsversorgung. Die Lufthansa will das Renteneintrittsalter erhöhen und die Piloten an der Finanzierung beteiligen.

Haben Flugpassagiere überhaupt die Möglichkeit, auf die Bahn umzusteigen? Denn auch bei der Bahn drohen Streiks.

Die Lokführer wollen ihren Dienst wie vorgesehen antreten. „Wir werden diese Woche keine Arbeitskampfmaßnahmen mehr durchführen“, sagte der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), Claus Weselsky, dem Radiosender „hr-info“. Sollte die Bahn kein richtiges Angebot vorlegen, würden die Gremien der GDL über Warnstreiks und eine Urabstimmung beraten. GDL und Cockpit wollen sich bei ihren Streikmaßnahmen abstimmen, um Passagieren, deren Flug nicht abhebt, eine Ausweichmöglichkeit zu geben.