E-Commerce

Weniger Krawall, mehr Spaß

Der Internethändler Zalando schreibt schwarze Zahlen und erneuert den Auftritt

Es blitzt. Immer wieder. Auch wenn vorn auf der Bühne der komplette Vorstand des Onlinehändlers Zalando die neue Strategie erklärt, dahinter wird weiter gearbeitet. In den Räumen im Postbahnhof lässt Zalando täglich rund 1000 neue Produkte fotografieren, die Bilder am Rechner bearbeiten, betexten und auf die Seite stellen. Das lässt sich nicht einfach komplett unterbrechen, nur weil im Eingangsbereich über die Zukunft des Konzerns geredet wird. Aus der Start-up-Größe hat sich der Berliner Internethändler verabschiedet. Zalando, vor sechs Jahren gegründet, ist eine europäische Aktiengesellschaft mit 7000 Beschäftigten, 4000 davon in Berlin.

Der Umsatz des Konzerns wird die Marke von zwei Milliarden Euro in diesem Jahr wohl weit überschreiten. Allein im ersten Halbjahr setzte das Unternehmen 1,047 Milliarden Euro um, ein Plus von 29,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das dritte Quartal sei sehr gut angelaufen, sagte Robert Gentz, im Vorstand zuständig unter anderem für die Geschäftsentwicklung. Das zweite Halbjahr im Handel ist wegen des Weihnachtsgeschäfts stärker. Es dürfte also gut laufen für Zalando in diesem Jahr, zumal das Unternehmen schwarze Zahlen schreibt: Nach sechs Monaten blieb ein Gewinn vor Steuern und Zinsen von rund zwölf Millionen Euro, nach minus 72 Millionen Euro ein Jahr zuvor.

Dass Zalando jetzt schwarze Zahlen schreibt, hat nach Angaben von Ruben Ritter vor allem mit der besseren Kostenstruktur zu tun. Er ist im Vorstand unter anderem für Finanzen zuständig. Weil viel neuer Umsatz von bestehenden Kunden kommt, sind etwa die Marketingkosten im Vergleich zum Umsatz gesunken. Dann ist da noch die Logistik.

David Schröder war als Chef Operations unter anderem für die Logistik verantwortlich und in den vergangenen Jahren so etwas wie der Buhmann im Unternehmen. Er bremste immer etwas, weil Zalando nicht genug Platz in seinen Lagern hatte, um noch mehr Modelle zu fassen und auszuliefern. Inzwischen hat das Unternehmen drei Logistikstandorte aufgebaut (Brieselang, Erfurt und Mönchengladbach). Die Lager seien so angelegt, dass etwa das Doppelte des jetzigen Volumens durchlaufen könne, sagt Schröder. Zalando beliefert aus den drei Zentren 15 Länder in Europa.

Und der Börsengang? Ritter sagt dazu, was er immer sagt: Der Börsengang sei eine Option, es gebe aber auch andere Optionen. Im Klartext: Ich sage nichts. Die Agentur Reuters berichtete, Zalando wolle Anfang September Details bekannt geben. Demnach sollen 15 Prozent der Aktien an die Börse gehen, was das Unternehmen mit rund sechs Milliarden Euro bewerten würde. 36,5 Prozent der Aktien hält der schwedische Finanzinvestor Kinnevik. Die drei Brüder Alexander, Marc und Oliver, die Zalando groß gemacht haben, besitzen 17 Prozent, der dänische Modeunternehmer Anders Holch Povlsen zehn Prozent.

Inzwischen spekuliert die Branche auch darüber, ob sich Zalando mit dem britischen Konkurrenten Asos zusammentun könnte. Die Briten konzentrieren sich bisher auf Großbritannien. Seit dem Frühjahr haben sie eine Dependance an der Chausseestraße in Berlin und bauen derzeit den Versand aus einem Logistikzentrum in Großbeeren auf – das Zalando zum 1. September verlässt. Zalando wiederum konzentriert sich mit seinem Geschäft auf das europäische Festland. Ritter sagte, es gebe keine Gespräche zwischen Zalando und Asos. Die Briten sind um ein Vielfaches kleiner.

Überhaupt die Konkurrenz: Es gebe viele Anbieter, die sich in der Nische eingerichtet hätten, sagte Ritter. „Wir denken größer.“ Oder wie Gentz es wenig zurückhaltend formuliert: „Wir wollen das beste Fashion-Erlebnis der Welt im Netz bieten.“ Das Unternehmen, das mit dem Versand von Flipflops startete, verkauft inzwischen das ganze Modespektrum: Jacken, Hosen, Schuhe, Accessoires. Nach der eher krawalligen Werbung „Schrei vor Glück“, mit der das Unternehmen groß wurde, kommt als nächstes eine mehr auf Mode und Spaß getrimmte Kampagne. Die Internetseite wird überarbeitet, wie das dritte Vorstandsmitglied David Schneider sagte. Zudem soll das Angebot um weitere Marken erweitert werden.

Gleichzeitig hat das Unternehmen neue Angebote. So gibt es ein Programm, mit dem der Kunde ein Kleidungsstück, das ihm gefällt, an einer anderen Person fotografieren kann, die er zufällig trifft. Das Programm erkennt die Marke, der Kunde kann direkt bei Zalando bestellen. Ob das Umsatz bringt? Mit Blick auf die Zahlen sagt Gentz: „Offensichtlich.“